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Liebe Weinfreunde!
Die diesjährige Traubenlese endete am 6.
November, was für uns Anlass ist, den traditionellen Jahresrückblick
für Sie vorzunehmen.
Nach einem sehr milden Winter, die Temperaturen fielen in Klüsserath
nie unter minus 5° C., gab es einen zeitigen Frühlingsbeginn
mit der Blüte der ersten Obstbäume (Aprikosen), bereits Anfang
Februar. Der März gestaltete sich sehr feucht, sodaß die
Pfirsichblüte ziemlich verregnete, ebenso die Blüte der frühen
Kirschensorten. DIE Pfirsichernte fiel entsprechend klein, aber fein,
aus! Der Sommer, zumindest dem Wetter nach, begann in diesem Jahr bereits
Mitte April, mit heißen Temperaturen und fast täglichen Niederschlägen.
Der Mai setzte dieses „Saunawetter" fort, und die Weinstöcke
entfalteten sich mehr als prächtig. Ab Anfang Juni wurde es etwas
trockener, aber es blieb weiterhin heiß. Die Weinblüte verlief
Anfang Juni innerhalb weniger Tage sehr schnell und wegen des überreichen
Fruchtansatzes, bei manchen Sorten fast zu gut. In den ersten Julitagen
änderte sich das Wetter allmählich zum feuchtkühlen hin,
ungewöhnlich für die eigentlich heißeste Zeit des Jahres!
Um den 10. Juli herum setzte Dauerregen ein, der zweieinhalb Wochen
lang mehr oder minder anhielt. Nur durch intensivste Laubarbeiten konnte
ein starker Fäulnisbefall von den jungen Trauben abgehalten werden.
Die Moselanrainer sagten:„ De Musel mät deck Baaken",
zu Hochdeutsch: „ die Mosel macht dicke Backen", womit man
im allgemeinen ein kleines, harmloses Hochwasser bezeichnet, was man
sonst im Sommer aber überhaupt nicht kennt. Ende Juli besserte
sich das Wetter merklich, und der August war überwiegend trocken
und warm, teilweise auch heiß. Die ersten reifen Beeren fanden
sich, je nach Traubensorte recht früh, Anfang bis Mitte August,
was sich aufgrund des enormen Wachstumsvorsprunges vom Frühjahr
erklärt. Aufgrund der heißen Witterung fanden sich Ende August
sogar einige Verbrennungsschäden an den Beeren, im Garten musste
nun auch gegossen werden. Ende der zweiten Septemberwoche fegte ein
Sturm über die benachbarten Eifelhöhen und den Hunsrück
hinweg, der, wenngleich in abgeschwächter Form, auch das Moseltal
betraf. Er richtete bei uns zwar keine größeren Schäden
an, aber das Wetter gestaltete sich von nun an sehr wechselhaft, schöne
Tage wechselten ständig mit regnerischen Tagen ab. Die Traubenlese
begannen wir dann mit den Sorten Bacchus und Rivaner am 26. September.
Im Oktober setzte sich diese unbeständige Witterung fort, und es
gab nur vereinzelte, wirklich schöne Tage. Wenn es aber einmal
schön war, wurde notfalls auch feiertags gearbeitet, so brachten
wir z. B. unseren Dornfelder Rotwein am 3. Oktober ein. Der Blaue Spätburgunder
kam dann am 20. Oktober an die Reihe, beide Rotweine sind viel versprechend.
Etwas besser wurde dann das Wetter kurz vor Allerheiligen (l. Nov.),
was uns Gelegenheit gab, unsere besten Rieslingtrauben trocken und von
wirklich guter Qualität einzubringen!
Die Qualität des 2000ers erreicht in seiner Breite jedoch nicht
ganz die des großartigen 99ers, höhere Prädikatsweine
gab es viel weniger als im Jahr zuvor. Die wenigen Spätlesen und
sogar Auslesen aber, die von qualitätsorientierten Winzern gelesen
wurden, brauchen sich, soweit sie sich bis jetzt probieren lassen, jedoch
vor den Gewächsen des Vorjahres nicht zu verstecken! Dass wir überhaupt
in diesem viel zu feuchten, allerdings ziemlich warmen Jahr so hohe
Qualitäten ernten konnten, hängt in der Hauptsache von folgenden
Faktoren ab: ERSTENS: Starker Rückschnitt des Fruchtholzes im Winter,
weit über das übliche Maß hinaus.
ZWEITENS:„Grüne Lese" im August, d. h. Entfernung überzähliger
Trauben bei Reifebeginn, dadurch werden die verbleibenden Früchte
umso besser. DRITTENS: Ausschluss ungünstiger Lagen (Flachlagen,
Ost und Westhänge). Die Trauben aus diesen Lagen gehen bei uns
zur Gänze an eine Genossenschaft, bzw. der Wein daraus an den Großhandel!
Für den Wein den wir selbst auf Flaschen füllen, etwa nur
ein Drittel unserer Ernte, nehmen wir nur Trauben von Südost-,
Süd- und Südwesthängen!
VIERTENS: Die Trauben in diesen hervorragenden Lagen werden jede einzeln
bei der Lese sortiert (viele von Ihnen waren schon einmal dabei), und
nur die guten, überreifen Trauben entsprechen unseren Anforderungen.
Der Ausschuss wird getrennt gekeltert, kommt in große Tanks und
geht an den Großhandel. FÜNFTENS: Beim Auspressen der Trauben
wird nur solcher Saft für gut genommen, der von selbst oder bei
geringem Druck von der Presse abläuft, was mit Gewalt ausgepresst
werden muss, ist minderwertig und wird abgeleitet. SECHSTENS: Nach dem
Auspressen der Trauben und nachdem der Saft sich sedimentiert (abgesetzt)
hat, werden nur die oberen, nicht trubbelasteten ca. 65 % des Mostes
vorsichtig abgepumpt und zu wertvollem Wein vergoren. Der Rest wird
auch hier wieder „in den großen Tank" abgeleitet.
Aus all diesen Maßnahmen läßt sich entnehmen, dass
wirklich guter Wein immer mehr oder weniger knapp ist, die billigen
Verarbeitungsweine jedoch meist im Überfluss vorhanden sind.
Da wir wissen, dass sich viele von ihnen auch für unsere Obstbrände
interessieren, hier noch einige Stichworte zur diesjährigen Obsternte:
Aprikose und Feige viel und gut, Pfirsichernte, wie bereits erwähnt,
fast ganz ausgefallen, Mirabellen mehr als im letzten Jahr, sehr große
Birnenernte, schöne, gute Äpfel in ausreichender Menge, Kirschen
gab es nur von den späten Sorten, die Maikirschen fielen leider
ganz aus. Von besonders gutem Aroma waren in diesem Jahr die Zwetschgen,
für hochprozentiges wird also auch im nächsten Jahr gesorgt
sein.
Mit diesem Schreiben erhalten Sie nochmals unsere aktuelle Weinpreisliste.
Viele von Ihnen haben schon ihre Bestellungen durchgegeben. Dies erleichtert
die Planung unser Liefertouren erheblich, mancher Fahrtkilometer kann
dadurch eingespart werden. Vielen Dank also für diese frühzeitigen
Bestellungen, wir werden uns in nächster Zeit tel. mit Ihnen in
Verbindung setzen und den
Liefertermin mit Ihnen zu besprechen. Bitte denken Sie bei dieser Gelegenheit
auch an Ihr Leergut, das wir gerne wieder zurücknehmen!
Natürlich können Sie auch jetzt noch, und bis in den Dezember
hinein Ihre Bestellungen aufgeben, allerdings werden manche 99er bereits
knapp. Hierbei gilt wie immer der Spruch: Wer hat, der hat!
Ganz besonders möchten wir allen Weinfreunden anempfehlen, die
Mosel einmal im Winter zu besuchen. Wir können hier zwar nicht
mit Schneelandschaften oder mit Wintersport aufwarten, aber für
viele Kenner ist eine umfangreiche Probe des „Neuen", im
Keller aus den Holzfässern, ein lohnenswertes Ziel. Der junge Wein
präsentiert sich im Winter noch in seiner sprudelnden Frische,
man kann sich dabei oft schon die ein oder andere Sorte für später
merken.
Auf vielfachen Wunsch möchte ich hier auch einmal die Termine der
„Köwericher Theatertage" bekannt geben. Die jeweils
abendfüllenden Aufführungen finden statt am 17, und 18. 3.,
24. und 25. 3., am 31. 3. und 1. 4. sowie am 7. 4. 2001. Hier spielt
Ihr Winzer seit nunmehr fast 25 Jahren meistens die Hauptrolle in bekannten
Mundartstücken, die jedoch von uns immer auf unsere Verhältnisse
im Moseldorf umgeschrieben werden. Die Aufführungen kann man ohne
unbescheiden zu sein schon fast profihaft nennen, dementsprechend groß
ist auch die Resonanz! In der Saison 2001 kommt zur Aufführung
das Stück „Der Stinkkäs". Unser moselländisches
Platt, das sog. Moselfränkisch ist nicht für jedermann leicht
zu verstehen, mit etwas Gespür kann sich der aufmerksame Zuschauer
jedoch gut hineindenken. Es ähnelt in seinem Aufbau dem luxemburgischen
Dialekt, hat aber viel weniger französische Einsprenkelungen. Auf
Wunsch können von uns auch Karten zum Preis von ca. 12,00 DM für
diese Aufführungen für Sie reserviert werden.
Ganz besonders würden wir uns freuen, Sie einmal hier in Klüsserath
zu einer Weinprobe begrüßen zu können. Genügend
Übernachtungsmöglichkeiten sind in unseren Zimmern und Ferienwohnungen
natürlich vorhanden. Viele von Ihnen nutzen diese Möglichkeit
fast regelmäßig und können sich so ein gutes Bild von
der Breite und der hohen Qualität unseres Angebotes machen, andere
haben auch schon einen längeren Urlaub bei uns verbracht.
Herzlich bedanken möchten wir uns auch an dieser Stelle auch einmal
für die gute Werbung, die viele von Ihnen schon für unser
Haus und unsere Produkte betrieben haben. Bitte empfehlen Sie uns auch
in Zukunft weiter. Sie leisten damit einen unschätzbaren Beitrag
zur Weiterentwicklung unseres Weingutes, und letztlich haben Sie auch
einen kleinen Anteil am Weiterbestehen der einmaligen Weinkulturlandschaft
an der Mosel.
Mit diesen Worten möchten wir schließen, wir hoffen auf einen
weiteren guten Kontakt zwischen Ihnen und Klüsserath und verbleiben.
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