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KLÜSSERATHER WINZERBRIEF 2001-I

 

 

Hallo, liebe Kunden und Weinfreunde!

2000er Weine sehr spritzig, Qualität schließt fast an den Superjahrgang 99 an!
Mit diesen Worten beginnen wir unseren ersten diesjährigen Winzerbrief. Viele von Ihnen freuen sich schon darauf!
Der neue Jahrgang steht zur Abfüllung auf Flaschen an. Beim 2000er Rotwein ist es bereits geschehen, Blauer Spätburgunder und Dornfelder werden von vielen Liebhabern bereits sehnsüchtig erwartet. Insbesondere hier zeigt der Neue eine bemerkenswerte Qualität. Der Weißwein reift, zwecks natürlichen Säureabbaus, noch etwas länger im Holzfass und wird größtenteils im Mai auf Flaschen gefüllt werden.
Die goldene Serie der Spitzenjahrgänge setzte sich auch im letzten Jahr fort. Nach anfänglich trüben Aussichten im Herbst hatte Petrus doch noch ein Einsehen und bescherte den spätreifenden Sorten noch einen strahlenden „Allerheiligensommer." Hohe Risikobereitschaft und Standvermögen waren hier angesagt. Um doch noch große Weine zu lesen, waren erhebliche Ertragseinbußen in Kauf zu nehmen. Deshalb werden unsere Einzelabfüillungen, insbesondere beim Riesling, leider ziemlich klein bleiben. AUSNAHME: Dornfelder ! Bedingt durch einen vergrößerten Anbau konnten wir von dieser Sorte etwas mehr als in den vergangenen Jahren ernten, wenn auch der Ertrag pro Weinstock etwas niedriger ausgefallen ist. Bedingt durch die stetig wachsende Nachfrage nach Rotweinen, wird aber auch hier zum Ende des Jahres der Bestand wieder sehr gelichtet sein.
Der Winter war in Klüsserath in diesem Jahr wieder sehr mild, ganz selten fielen die Temperaturen unter den Nullpunkt. Am kältesten war es am 22.12. mit minus 5,5 Grad Celsius. Dadurch fiel die Eisweinernte in unserem Ort leider aus, in einigen Seitentälern der Mosel wurden aber die für die Eisweinlese notwendigen minus 7 bis 8 Grad erreicht. So kann sich auch die besondere Klimagunst unseres ausgeprägten Südhanges einmal in einen Nachteil verkehren.
STICHWORT ZUKUNFT: Viele Winzerbetriebe an der Mosel stehen zur Zeit in einem beängstigenden Existenzkampf. Die Preise für weiße Verarbeitungsweine (Großhandel) befinden sich in freiem Fall, dies bedeutet für diejenigen Winzer, die nur „auf dieser Schiene fahren" das endgültige Aus. Aber auch für viele Winzer mit einem eher geringen Anteil an Direktvermarktung sind die Aussichten nicht rosig. Entsprechend ist die Stimmung in diesen Familien. Dieses Szenario gilt übrigens nicht nur für die Mosel sondern auch für viele andere deutsche und europäische überwiegend Weißwein anbauende Gebiete. '
Die Ursachen für die Misere bei den gering- und mittelklassigen sog. Verarbeitungsweinen sind folgende:
Rückgang des Weinkonsums der großen traditionellen Weinbauländer wie Spanien, Italien und Frankreich in den letzten Jahrzehnten, dadurch verstärktes Drängen auf die mitteleuropäischen Märkte. Der stetig steigende Weingenuss in Deutschland und anderen Ländern kann diese Einbrüche bisher nicht kompensieren.
Rotweinboom. Im Weißweinbereich sind kleine und mittlere Qualitäten schwer verkäuflich, lediglich gute bis hervorragende Gutsabfüllungen im Direktverkauf bringen noch guten Gewinn! Ein schnelles Umsteigen auf Rotweinanbau ist schwierig, wenn man bedenkt, dass die Weinberge an der Mosel ein Alter von über hundert Jahren erreichen können und dass zudem erste Anzeichen, zumindest in Amerika bestehen, die darauf schließen lassen, dass man sich wieder mehr dem Weißwein zuwendet.
Die, wenn auch nur vorübergehende, Hinwendung vieler Verbraucher zu überseeischen Weinen. Ärgerlich für uns europäische Winzer ist, dass diese Weine (Ausnahme Südafrika), vielfach in Gebieten angebaut werden, in denen natürlicherweise, aufgrund des chronischen Wassermangels überhaupt kein Qualitätswein gedeihen könnte. Wertvolle Ressourcen werden so verschwendet.
Die vergangenen Jahre waren klimatisch gesehen für die Weinreben ideal. Nach heißen und zugleich ausreichend feuchten Sommern kann in Deutschland und in anderen mitteleuropäischen Gebieten sehr viel Wein geerntet werden. Viele in ihrer Existenz bedrohte Winzer versuchten, durch übergroße Ernten den Verdienstausfall der durch die sinkenden Preise für Verarbeitungsweine entstanden ist zu
kompensieren. Diese übergroßen Erntemengen ergeben bestenfalls mittlere Qualitäten. Dies ist natürlich ein Teufelskreis. Dass dieses Problem hausgemacht ist, kann nicht verschwiegen werden.
Sie müssen sich jedoch nicht ängstigen, Ihr Winzer wird Ihnen trotz all dieser Probleme nicht so schnell abhanden kommen! Durch diese Einbrüche haben wir zwar auch Umsatzeinbußen zu verkraften (10 bis 20 %); im Familienbetrieb wird aber manches weggesteckt, was in größeren Firmen Anlass zu einschneidenden Maßnahmen wäre. Da unsere Betriebsergebnisse in den letzten Jahren als sehr gut zu bezeichnen waren, können wir diese Durststrecke, selbst wenn sie länger andauern oder sich noch verschärfen sollte ohne größere Probleme überstehen, der passende Spruch dazu lautet: Spare in der Zeit, dann.....!
Reagieren muss jedoch auch der Familienbetrieb!
Eine Maßnahme wird sein, im Kellerbereich verstärkt zu investieren, um durch eine modernere Mostbehandlung die Menge des zwangsläufig anfallenden „Verarbeitungsweines" erstens zu reduzieren und zweitens diese Restmenge rationeller verarbeiten zu können. Nicht gerüttelt wird jedoch am Qualitätsprinzip, was unsere hochwertigen Gutsweine betrifft. Hier setzen wir weiterhin überwiegend auf unsere Holzfässer und den damit verbunden bewährten, schonenden Weinausbau!
Eine weitere Maßnahme muss sein, den touristischen Zweig unseres Betriebes noch weiter in den Vordergrund zu stellen. ein Bereich, in dem Sie uns durch Weiterempfehlung in Ihrem Freundes- und Bekanntenkreis, sehr behilflich sein können.
Weitere Reduzierung von unwirtschaftlich gewordenen Flächen, in denen nur beliebig austauschbare Weine von Durchschnittsqualität wachsen, weiteres Einsteigen in Spitzenweinlagen.
Wenn wir alle diese Dinge beherzigen; wird eine alte Winzerweisheit, die mein Großvater des Öfteren im Munde führte weiterhin Gültigkeit besitzen:
„Weinbau schützt vor Armut und vor Reichtum"
Vor allen Dingen aber macht er Spaß! Arbeiten zusammen mit der Familie, in einer herrlichen Landschaft, in einer -fast- intakten Natur, ein freudespendendes Produkt mit seinen vielen Nuancen, Kontakt zu vielen netten Menschen, was will man mehr!
Demnächst neu im Angebot: Der erste Wein von Weißburgunder und Chardonnay aus der Neuanpflanzung von 19991
Stichwort feinherb: Weine mit verhaltener Süße im Übergangsbereich zwischen halbtrocken und lieblich.
Stichwort Riesling: Weißweinsorte, in den USA stark im Kommen! Eine angesehene kalifornische Weinzeitschrift titelte kürzlich: „Hütet Euch vor den Deutschen!" Gemeint war mit diesen Worten nicht die Pflege von evtl. vorhandenen Vorurteilen, sondern die Einsicht, dass insbesondere den deutschen Rieslingweinen in punkto Finesse, Eleganz und Bekömmlichkeit, so schnell nicht beizukommen ist.
Hierzu lesen Sie bitte auch die Ausschnitte aus deutschen und internationalen Weinpublikationen, die sich mit dem Riesling befassen.
Ganz neu ist die Erkenntnis, dass der Riesling von einer heute noch in den Rheinauen vorkommenden Wildrebe abstammt. Bis vor wenigen Jahren galt immer die Annahme, dass die Römer diese wertvolle Traubensorte an Mosel und Rhein gebracht haben.
Unsere noch bis zum Sommer gültige Preisliste legen wir bei. Termine für evtl. bei Ihnen zu Hause vorgesehene Weinproben bitten wir, zwecks besserer Planung, bald mit uns abzusprechen!
Wer sich des Weines so enthält, dass es ihm schadet,
der ist nicht ohne Schuld (Thomas von Aquin)
In diesem Sinne wünschen wir Ihnen alles Gute, viel Freude mit dieser kleinen Lektüre und viele frohe Stunden mit unserem Wein und verbleiben.

 

 

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Weingut

Scholtes-Welter

 
 
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