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KLÜSSERATHER WINZERBRIEF 2001-II

 

 

Liebe Kunden und Weinfreunde!

2000er Wein abgefüllt, alle positiv überrascht!
Mit diesen Worten stellen wir Ihnen unsere neue Weinpreisliste vor. Dies geschieht mit etwas Wehmut, weil es die letzte Preisliste- in DM ausgezeichnet- sein wird. Im neuen Jahr werden wir Ihnen dann, zusammen mit dem ersten Winzerbrief 2002, eine überarbeitete Liste in Euro zusenden. Vorteile bringt uns die Währungsumstellung doch auch insofern, dass die Beziehungen mit der immer größer werdenden Zahl unserer Weinfreunde in den Nachbarländern wesentlich vereinfacht werden. Anschließend wieder einige, für uns Winzer wichtige Daten im Jahreslauf:
16. 03.: Abfüllung der Rot- und Roséweine.
30. 03.: „Hahnenfeier" = Beendigung der winterlichen Schneide- und Bindearbeiten
April 2001: Stilllegung geringwertiger Flächen auf dem Moselhochplateau, im Gegenzug Zukauf einiger wertvoller Nachbarweinberge.
05. 05., 18. 05. und 29. 05.: Abfüllung der meisten Weißweine.
13. 05.: Viel Volk bei der Präsentation der besten Klüsserather Weine - ERSTES GEWÄCHS mitten im Weinberg.
01 . - 04. 06.: Pfingsten, Internationales Trachtentreffen in Klüsserath.
27. 06.: Siebenschläfer! Um diesen Tag herum entscheidet sich das Wetter für die nächsten Wochen! Azorenhoch oder Islandtief? Petrus meinte es gut mit uns!
10. 07.: Ankauf neuer Maschinen zum Abbeeren hauptsächlich der roten Trauben und zur Mostvorklärung, einige Plastiktanks wurden durch Edelstahltanks ersetzt. Keine Angst: Unsere Gutsabfüllungen gehen auch weiterhin durch die bewährten Holzfässer.
12. 08.: Erste reife Rieslingtrauben.
24. 08.: Einzäunen unserer Dornfeldertrauben, zum Schutz vor räuberischen Wildschweinen, Füchsen und Fasanen.
24. - 27. 08.: Klüsserather Weinfest: Litt unter enormer Hitze, Zechen nur nachts möglich! 28. 08.: Beginn der „Grünen Lese" = Ausdünnen der Weinstöcke
02. 09.: Abfüllung der restlichen 2000er Weißweine
Aromazusätze im Moselwein!
Titelte der Trierische Volksfreund am Samstag, dem O 1. 09. 2001 ! Zu diesem traurigen Thema hier einige Anmerkungen:
„Wein ist das aus der frischen Weintraube, durch die alkoholische Gärung gewonnene Getränk" ! Diese Definition des Weines, lt. deutschem Weingesetz, lernt der Winzernachwuchs bereits zu Beginn seines ersten Lehrjahres. Leider gibt es immer wieder schwarze Schafe unter Winzern und Weinhändlern, die vor einer Weinverfälschung nicht zurückschrecken.
Bei absolut hochwertigen Weinen kommt es gelegentlich vor, dass der Wein. selbst für Laien,
bzw. riechbare Aromen preisgibt, die nicht nur an Trauben, sondern gelegentlich auch an Ananas, Pfirsich, Maracuja und andere, öfters und rebsortenbedingt auch an schwarze Johannisbeeren erinnern. Bei mittel- bis hochwertigen Weinen ist die Wahrnehmung dieser, von Natur aus
vorhandenen Aromen bereits sehr eingeschränkt und wird meist nur von Kennern wahrgenommen. In den letzten Jahren sind sog. naturidentische Aromen aller Richtungen, von Aprikose bis Zitrone relativ billig erhältlich. In der Hauptsache wird damit Schnaps „veredelt", man könnte auch sagen gepanscht. Dies ist zwar unehrlich, gesundheitlich aber unbedenklich und bei Bränden auch nicht ausdrücklich verboten. Um solche Stoffe aber im Wein zu verwenden, und dem Kunden eine tatsächlich überhaupt nicht vorhandene Qualität vorzugaukeln, muss ein Winzer aber alle ethischen und moralischen Normen eines stolzen Berufsstandes über Bord geworfen haben!
Dies ist nach deutschem Weingesetz verboten, und ist auch nach jeder europäischen Tradition absolut inakzeptabel.
In Ermangelung einer sich über Jahrhunderte gebildeten Weintradition sind solche Zusätze in außereuropäischen Weinbaugegenden mit wenigen Ausnahmen (Südafrika) die Praxis, genauso wie die bei uns unerlaubten Methoden der künstlichen Weinkonzentration. Hierbei wird der Wein mittels sog. Umkehrosmose bzw. sog. Vakuumfiltration, zwecks besserer Haltbarkeit, von ca. 10% Alkohol
auf bis zu 16% hochkonzentriert, um anschließend bei der Abfüllung auf die üblichen 12-13% rückverdünnt zu werden.
Eine Handvoll schwarzer Schafe, die an der Mosel mit diesen beiden unerlaubten Weinmanipulationen bisher aktenkundig wurde, leider fast alles Jungwinzer, war bezeichnenderweise über Monate in Kalifornien, Chile und Australien ausgebildet worden.
Diese Unsitten gilt es auszurotten, bevor sich andere, ehrliche Winzer zur Nachahmung gezwungen sehen, weil sie sonst mit den hochgepuschten, oft hochprämierten Gewächsen der Konkurrenz nicht mehr mithalten können!
Man darf hier einigermaßen zuversichtlich sein, wenn man weiß, dass Rheinland-Pfalz bei 4 % der europ. Weinproduktion über 68% der europ. Wein- und Kellerkontrolleure (chem. Untersuchungsamt) verfügt. Natürlich gibt es dieses Problem nicht nur an der Mosel, es zeigt sich natürlich auch in anderen deutschen und europäischen Weinbaugebieten.
Stichwort: Korken
Der Weinkorken ist das hochwertigste Produkt, das aus der Rinde der Korkeiche hergestellt wird. Sie wächst vor allem in Südwesteuropa, große wirtschaftliche Bedeutung hat sie vor allem in Portugal. Sie kann erstmals im Alter von etwa 30 Jahren geschält werden, weitere Korkernten folgen dann im Abstand von ca. 7 Jahren. In einem langwierigen und arbeitsintensiven Prozess werden die großen Rindenstücke dann gewaschen, getrocknet und nach Qualitäten sortiert. Aus den makellosen Stücken werden Weinkorken ausgestanzt, die dabei anfallenden Reste und die weniger wertvollen Stücke werden zu Dämmmaterial, Schuhsohlen, Pinnwänden etc. verarbeitet. Die Weinkorken werden dann nach Augenschein in verschiedene Qualitäten sortiert, hineinsehen kann man natürlich nicht! Deshalb kann es bei einigen Exemplaren trotzdem zu üblem Korkgeschmack kommen. Gut 99 % DER Korken sind jedoch einwandfrei und beeinflussen den Wein in seiner weiteren Entwicklung meist sehr positiv. Dies liegt an der Atmungsaktivität des Korkens, die eine natürliche Weiterentwicklung des Weines ermöglicht. Die Alternative wäre der Schraubverschluss, oder der neueste Witz, indem täuschend echt aussehende Kunststoffkorken verwendet werden. Durch die breite Verwendung dieser Weinverschlüsse würde unnötiger, weiterer Abfall produziert, auch wären einmalige Kulturlandschaften im Süden Europas gefährdet, da die alten Korkeichenwälder für die dortigen Bauern unwirtschaftlich würden!
Nichts mit Korkgeschmack zu tun hat ein gelegentlich auftretender Schimmel am äußeren Ende des Korks. Dies entsteht dadurch, dass der Wein, evtl. beim Transport, gewissen Temperaturschwankungen ausgesetzt war und sich dadurch der Wein in seinem Volumen etwas ausgedehnt hat. Dann kommt es vor, dass sich zwischen Flaschenhals und Kork einige Tropfen Wein hindurchdrücken, die nach späterem Eintrocknen vielleicht etwas Schimmel bilden. Dies bedeutet in aller Regel keinerlei Beeinträchtigung des in der Flasche verbliebenen Weines, gründliche Reinigung der Korkoberfläche vor Öffnung der Flasche vorausgesetzt!
Die Traubenlese beginnt in diesem Jahr in den ersten Oktobertagen und wird sich wieder bis fast Mitte November hinziehen. Aus diesem Grunde bitten wir Sie auch in diesem Jahr wieder uns, zwecks besserer Planung der Liefertouren, Ihren Bedarf an Wein frühzeitig mitzuteilen. Die Zeit der Rieslinglese ab Mitte Oktober gehört bei uns natürlich ganz dem Wein und seiner Zubereitung, dann ist wirklich kein Platz für Marketing! Wir bitten um wohlwollende Beachtung!


Es blüht der Wein
Wenn Sommerwind nimmt bergunter den Lauf
hören die Rosen in den Gärten zu duften auf;
den Nelken und Lilien bleibt der Atem stehen:
Was ist denn geschehen?
Der blaue Flieder
findet sich nicht mehr wieder.
Und mit der Wiese duftigem Vielerlei
ist es auf einmal vorbei!
Und es fragen die Gärten und es fragt die Wiese:
Lieber Wind, warst du im Paradiese?
Da lacht der Wind: Nein, oh nein!
Aber in den Moselbergen blüht der Wein

 

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihre Winzerfamilie


Roland und Ingrid Scholtes

 
 
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