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KLÜSSERATHER WINZERBRIEF 2001-III

 

 

Hallo, liebe Kunden und Weinfreunde!

Nach den ersten Frösten des 2001er Herbstes endete die diesjährige Traubenlese am 14. 11. bei herrlichem Sonnenschein!
Nach einem sehr milden und feuchten, um nicht zu sagen nassen Winter setzte sich dieses Wetter zunächst auch im Frühjahr 2001 fort. Wegen der guten Verteilung der Niederschläge kam es jedoch nicht zu dem befürchteten großen Moselwasser. Mit dem 30. April versiegten schlagartig diese, allmählich allen ms Gemüt gehenden Regenfälle. Der Mai war schön warm und es fiel in diesem Monat in Klüsserath kein einziger Tropfen Regen. Durch dieses gute Wetter, ausreichende Feuchtigkeit war ja im Boden vorhanden, entwickelten sich die zunächst gegenüber dem Vorjahr ein wenig zurückgebliebenen Reben sehr gut. Dadurch konnte Mitte Mai bereits mit dem Ausbrechen wilder und überflüssiger Bodentriebe, auch Wasserschosse genannt, begonnen werden. Anfang Juni, also um Pfingsten herum, wurde es dann kühler und feucht. Dieses Phänomen stellt sich in so gut wie allen Jahren mehr oder weniger lang anhaltend ein und wird allgemein als Schafskälte bezeichnet. Sie bremst den um diese Jahreszeit enormen Zuwachs an Laub und Trieben im Weinberg etwas ab und hilft dem Winzer so, die Laubarbeiten termingerecht zu erledigen. Im Jahre 1992 fiel diese Schafskälte ganz aus und die Winzer konnten die anfallenden Arbeiten gar nicht bewältigen, was; zusammen mit heiß-feuchtem Wetter zu enormen Pilzkrankheiten im Weinberg führte. In diesem Jahr wurde es nach einer Woche wieder trocken, tagsüber auch warm, nachts aber noch etwas kühl. Die Weinblüte war bis zum 16. Juni abgeschlossen, wegen der kühlen Nächte war der Fruchtansatz aber nicht besonders hoch, nicht gut für Massenproduzenten, aber unabdingbar für die späteren außergewöhnlichen Qualitäten! Der gleiche Effekt tritt übrigens auch ein, wenn, wie in manchen Jahren das Blütewetter heiß und windstill ist. Ende Juni wurde es dann heiß, bis zu 36 Grad. Die Winzer nennen ein solches Wetter, bei dem sich das Arbeiten in den steilen Südhängen wegen der zu großen Hitze auf die Morgen- und späten Abendstunden beschränken muss, liebevoll-ironisch „gut katholisch": Dies geht zurück auf die in den katholischen Mittelmeerländern übliche mittägliche Siesta. Etwa vom 12. bis zum 20. Juli kühlte es bei einigen Schauern etwas ab, insgesamt blieb es mäßig warm. Danach wurde es wieder sehr heiß, Anfang August abgelöst durch wechselhaftes Wetter mit leichten Regenfällen. Von Mitte des Monats an wurde es dann immer heißer, die Temperaturen erreichten im Schatten bis zu 38 Grad! Die bereits im Reifeprozessbefindlichen Trauben wurden in der Sonne frühzeitig weich gekocht. Der Rückschlag kam dann mit dem ersten September, überhaupt wechselte das Wetter in diesem Jahr oft mit den Monaten. Waren es anfangs noch akzeptable 20 Grad, ging es später auf 15 Grad zurück und es regnete täglich und teils lang anhaltend. Das „Superweinjahr"; bereits zum Greifen nah, drohte in den Regenfluten zu ertrinken. Ab dem 20. September etwa stellte sich dann typisches Herbstwetter ein, allerdings hielt sich der Morgennebel oft bis in die Mittagszeit hinein. Dies ist zwar für Ende September ungewöhnlich, aber aufgrund der vorherigen Niederschläge erklärlich. Nachmittags aber trocknete die noch kräftige Sonne die Trauben, erwärmte auch langsam den Boden und nach einer Reihe von Tagen beschränkte sich der Nebel nur noch auf die frühen Morgenstunden. Der Oktober wurde mit bis zu 27 Grad dann richtig warm und die Trauben erreichten eine seltene Süße! Selbst um Allerheiligen war es in der Sonne noch schön warm, das Weinlaub blieb lange gesund und leistungsfähig und präsentierte sich in den schönsten Farben. Es verdorrte dann erst am Morgen des 9. November, als sich in einer nebelfreien und sternenklaren Nacht mit minus 3 Grad der erste Frost einstellte. Nachdem das Weinlaub abgefallen war und die Trauben zu welken begannen, konnte bei nunmehr trockenem und relativ kaltem Wetter die Qualität durch den mit dem Welkeprozeß einhergehenden Wasserschwund aus den Beeren weiter verbessert werden. Dadurch, und durch das Auftreten des begehrten Edelpilzes „Botrytis cinera"; der die Trauben fast zu Rosinen ein-trocknen ließ war es uns möglich, erstmals nach dem legendären 1976er eine Riesling Beerenauslese, mit 142 Öchsle und das auch noch in erklecklicher Menge zu ernten! Es lohnte sich also wieder, die Geduld zu bewahren und die Lese der besten Trauben weit hinauszuschieben. Man kann dieses Weinjahr schon als etwas besonderes bezeichnen, brachte es uns doch hohe Mostgewichte ( Öchslegrade = Zuckergehalte ); was logischerweise nach der Gärung zu beachtlichen Alkoholgehalten führen wird.
Die Weinsäure präsentiert sich sehr reif, bei etwas früher gelesenen Partien auch recht hoch, was in Verbindung mit hohen Alkoholwerten zu sehr langlebigen Weinen führen wird. Für den schnelleren Konsum und empfindlichere Mägen sind jedoch die spät gelesenen Weine mit deutlich reduzierter und teils nach dem ersten Frost bereits in den Trauben als Weinstein ausgefallener Weinsäure wesentlich besser geeignet und hoch bekömmlich!
Es war ein Jahr wie es sich der Winzer wünscht, mit vollreifen und überreifen Trauben, besonders in den Südbis Südwestlagen. Diese profitieren besonders von der Oktober- und Novembersonne, weil sie dort, im Gegensatz zu den Flachlagen, noch viel Kraft hat. Nicht ganz so bevorzugt waren heuer die Südosthänge, erklärlich aufgrund des häufigen Morgennebels. Die 2001 er Weine aus diesen Lagen werden etwas verhaltener, kühler, fruchtiger und nicht ganz so üppig ausfallen.
Aufgrund der lange anhaltenden Weinlese und der damit verbundenen Kellerarbeiten kommt dieser Brief etwas später in Ihr Haus als in den vergangenen Jahren, aber bei uns hat Qualität Vorrang vor Marketing! Sicherlich
haben Sie hierfür Verständnis. Unsere Liefertouren haben bereits begonnen, die Resonanz auf unseren Winzerbrief vom September war überwältigend; die eingegangenen Bestellungen können sich sehen lassen! Ein Grund zur Klage besteht also nicht, Dankbarkeit zu dem der über uns allen steht, darf am Ende eines solch guten Jahres ruhig einmal geäußert werden. Der Winzer, der bis vor wenigen Jahrzehnten auch immer Landwirt, zumindest fiir den Eigenbedarf war, weiß dies ohnehin, lautet doch ein häufig zitierter Spruch in unserem Moseldialekt: „Ma muß dem Herrgott och fia die kleen Kromperen (kleinen Kartoffeln) danken"!
Sehr zufrieden waren wir auch mit der Auslastung unserer Ferienwohnungen und Gästezimmer, was in erheblichem Maße auf die gute Mund zu Mund Propaganda vieler von Ihnen zurückzuführen ist. Dies bringt natürlich für uns eine hohe Verpflichtung mit sich, der wir uns mit Freude stellen. Um Nachsicht möchten wir bitten, wenn trotzdem einmal etwas nicht so läuft wie erwünscht, wir sind ja alle nur Menschen und bemühen uns etwaige Scharten auszuwetzen. Die Nachfragen und Buchungen bezüglich unserer Zimmer und Ferienwohnungen für das nächste Jahr sind jetzt bereits außergewöhnlich hoch. Dies wäre noch wesentlich erbaulicher, wenn man nicht wüsste, welch schrecklichen Ereignisse dazu geführt haben, dass viele Menschen vor langen Flugreisen zurückschrecken und lieber einen Urlaub in autoerreichbaren Regionen buchen. Mit diesem Schreiben erhalten Sie nochmals unsere aktuelle Weinpreisliste. Noch sind Bestellungen möglich, fast jede Gegend Deutschlands wird noch vor Weihnachten von uns angefahren. Die bereits eingegangenen Order werden jetzt Zug um Zug ausgeliefert, wir setzen uns rechtzeitig telefonisch mit Ihnen in Verbindung! Wenn es Ihnen möglich ist, Ihr Leergut zu sammeln, nehmen wir es gerne auch weiterhin zur Wiederverwertung zurück. Einige von Ihnen haben den Reiz der Mosel bereits auch im Winter entdeckt. Es lockt eine ausgiebige Probe des jungen Weines im Fass, bekannt ist der Trierer Advents- und Weihnachtsmarkt, die urig gefeierte Fastnacht, die Klüsserather Passionsspiele, sowie die Köwericher Theatertage. Für letztere hier die Termine: 2. und 3. 3., 9. und 10. 3., 16. und 17. 3., sowie der 23. 3. Hier ist Ihr Winzer seit nunmehr 25 Jahren engagiert und spielt auch in diesem Jahr wieder eine Rolle in einem Mundartstück. Auf Wunsch können auch für diese Saison wieder Karten reserviert werden, der Eintritt kostet 6 Euro.
Viele von Ihnen werde ich ja nun in den nächsten Wochen noch sehen, etliche auch zu einer fröhlichinformativen Weinprobe an Ihrem Heimatort. Allen anderen wünsche ich, auch im Namen der ganzen Familie, jetzt schon ein frohes Weihnachtsfest und alles Gute in einem - hoffentlich - friedlichen Jahr 2002!
Mit diesen Worten möchte ich schließen, hoffe auf einen weiteren guten Kontakt zwischen Ihnen und unserem Weingut, und verbleiben

P.S.: Ganz beendet ist die Traubenlese noch nicht! Um wieder einmal Eiswein ernten zu können brauchen wir noch Temperaturen von mindestens -7° C.!
Hoffentlich klappts !!!

 

 

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Weingut

Scholtes-Welter

 
 
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