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KLÜSSERATHER WINZERBRIEF 2002-II

 

 

Hallo, liebe Kunden und Weinfreunde!

2001 er Weine abgefüllt, hervorragende Qualitäten!
2002er steht sehr gut, Trauben ein Genuss! (siehe Kopie Zeitungsbericht!)
Mit diesem Brief erhalten Sie unsere neue Weinpreisliste, viele von Ihnen warten schon darauf!
Nachdem bereits einige Winzer mit der Lese der frühreifen Traubensorten begonnen haben, hört man von außergewöhnlichen Mostgewichten und Extrakten (= wertgebende Inhaltsstoffe)
Wir beginnen, trockenes Wetter vorausgesetzt, die Lese am 30. 09. mit der Bacchustraube. Es folgen dann Müller-Thurgau, Dornfelder und Kerner. Blauer Spätburgunder, Weißburgunder, Chardonnay und vor allem der Riesling sind spätreifend und kommen erst in einigen Wochen an die Reihe.
An dieser Stelle nun wieder einige wichtige Daten aus dem Winzerleben:
11. 05.: Pflanzung von weiteren ca. 600 Dornfelderreben im Südhang!
18. -21. 0_5_.: Pfingststraßenfest bei idealem Weinwetter! Herzlichen Dank an die vielen Helfer, u. a. auch aus den Reihen unserer Kundschaft!
27. 05.: Beginn der, ziemlich arbeitsintensiven, Laubarbeiten.
07. - 09. 06: Mit dem Theaterverein Köwerich im Elsaß. Interessante Weinproben und Eindrücke. 08. 06.: Letzter Regentag im Juni!
17. -19. 06.: Temperatur steigt auf 38,5° C., etliche jung gepflanzte Dornfelderreben verbrannt.
08. - 09. 07.: Teilnahme an einem Rotweinseminar an der staatl. Weinbaudomäne Trier-Avelsbach. 10. 0?.: Endlich Regen für die ausgedörrten Weinberge! Einziger Regentag im Juli!
15. - 20. 07.: Einige Tage Urlaub im schönen Südtiroler Weinbaugebiet. 23. - 25. 08.: Klüsserather Weinfest in neuem Ambiente
'Neun Winzer der Vereinigten Weingüter der Klüsserather Bruderschaft übernahmen die Regie. Zusammenhalt und Freundschaft unter den Winzerkollegen fabelhaft!
04. 09.: Exkursion mit den Vereinigten Weingütern ins Mittelrheintal Lind in den Rheingau Drei Weinproben; im Stehen, an einem Tag. In Boppard, Weinbau-Forschungsanstalt Geisenheim Lind in Oestrich-Winkel. Stimmung feucht-fröhlich, Stühle am Rhein anscheinend knapp!
02. - 12. 09.: „Grüne Lese" = Herausschneiden von in der Reife zurückhängenden Trauben zwecks besserer Gesamtqualität.
Stichwort Klimawandel:
An dieser Stelle müssen wir uns auch einmal mit diesem sehr ernsten Thema befassen, das uns, sehr von der Natur abhängige Menschen sehr beunruhigt.
Wir Winzer beobachten die Natur wie sonst wenige moderne Menschen. Auch kann sich jeder gute Winzer bis in seine Kindheit hinein, an die Besonderheiten und auch an das Wetter in den einzelnen Jahren, erinnern: Nach nunmehr 15 mehr oder weniger außergewöhnlichen Weinjahrgängen in Folge steht für uns Winzer fest: Mögen sich die Experten über die Ursachen auch noch streiten, der Klimawandel ist da!!!
Er zeigt sich nicht unbedingt in besserem Wetter; aber zeichnet sich durch höhere Temperaturen in allen Wetterlagen aus. Für uns Winzer bringt dieser Wandel große Herausforderungen mit sich und hat sowohl negative und (vordergründig) positive Auswirkungen. Da wir Menschen, guten Willen vorausgesetzt, diesen Prozess nur sehr langfristig beeinflussen können müssen wir alle, und insbesondere auch der Weinbau, versuchen, uns bestmöglich damit zu arrangieren. Gemäß dem moselländischen Sprichwort: „ Et ass kä Schooden eso groß, dat riet nach e kleene Voadel dabej wea." ( Es ist kein Schaden so groß, dass nicht noch ein kleiner Vorteil dabei wäre ); beginnen wir, Optimist, wie man ja sein muss; hier einmal mit den (noch) Vorteilen für uns Winzer:
1) Die Rebe als subtropische, wärmeliebende Pflanze bringt auch in Jahren mit schlechterem Wetter süßere Trauben hervor. An der Mosel und in anderen mitteleuropäischen Weinbaugebieten gab es früher in jedem Jahrzehnt durchschnittlich zwei Jahrgänge mit mehr oder weniger unterreifen Trauben ( außer in den besten Lagen ). Dies kennen wir heute gar nicht mehr.
2) Evtl. etwas frühere Lese, bei etwas wärmerem Wetter, leider entfällt dann aber der morgendliche „Aufwärmschluck"!
Die Nachteile sind vielfältig:
1) Stärkeres Auftreten von Pilzkrankheiten, vor allen Dingen von Oidium (Mehltau), früher auch als Geißel Italiens bezeichnet.
2) Auftreten von aus dem Mittelmeerraum eingeschleppten Zikaden. diese schädigen, über die Wurzeln, einzelne Weinstöcke, ohne sie jedoch ganz eingehen zu lassen. Die Trauben an diesen Stöcken sind notreif und schmecken bitter, und müssen daher aufwendig aussortiert werden. 3) Sonnenbrandschäden an den Trauben traten gelegentlich schon früher auf, ihre Intensität lässt aber heute einen wesentlich größeren Teil der Ernte verdorren.
4) Durch die bereits in die Sommermonate fallende Reife verstärkter Wespenfraß, was bei anschließend feuchtwarmem Wetter zu Fäulnisproblemen führen kann.
5) Durch mildere Winter und frühere Reife erschwerte Bedingungen für die Gewinnung von Eisweinen.
6) „Säuremanagment"! Bis jetzt bestand all unser Streben darin, die Säure im Wein durch langes hängen lassen der Trauben möglichst weit zu minimieren. Dies war gerade für die Bekömmlichkeit des Rieslings, als spätreifendste Sorte überhaupt, besonders wichtig. In Zukunft muss man Rieslinge, will mau ihre fruchtig-frisch-pikante Art erhalten,- u. U: früher lesen, um die Weinsäure nicht zu tief absinken zu lassen. Diese frühere Lese erbrächte aber nicht das Optimum an anderen wertgegenden Weininhaltsstoffen. Hier den Erntezeitpunkt richtig auszutarieren wird großes Fingerspitzengefühl von uns Moselwinzern in der Zukunft verlangen.
7) Rückgang des Weinbaues in Nordafrika und Teilen Südeuropas. Dazu muss; man wissen, dass der Weinstock, um seine Austriebsfähigkeit für das Frühjahr zu wecken, an mindestens einem Wintertag eine Temperatur von unter + 5° C. Dies wird in Zukunft nicht mehr überall erreicht werden. Dadurch verlieren viele Weinbauern in diesen Regionen ihre Existenz, wertvolle Kulturlandschaften versteppen.
Andererseits könnte der Weinbau nach Norden ausgedehnt werden, und dies ist auch teilweise der Fall. Laut Zeitungsbericht, der uns dankenswerterweise gleich von zwei Kunden zuging wissen wir, dass es mittlerweile am Südrand des Harzes einen erfolgreich wirtschaftenden Winzer gibt.
Im Süden Englands kannte man Weinbau in kleinen Wärmenischen bereits seit dem Mittelalter. Er hat sich mittlerweile auf das Gebiet von fast 2000 ha ausgedehnt.
Es gibt einen skandinavischen Weinbauverband, der Weinbauern betreut, die auf südgeneigten Hängen Dänemarks mittlerweile auf mehr als hundert ha Fläche Weinreben angepflanzt haben; kürzlich wurde in Südschweden der erste Weinberg angelegt. Hier können jedoch nur, wenn überhaupt, Weine von sehr gewöhnlichen Sorten wie z. B: Müller-Thurgau gewonnen werden.
Zum Vergleich der oben genannten Flächen bauen an:
Deutschland: 100.000 Hektar ( auf jedem Hektar stehen ca. 5000 Weinstöcke ) Frankreich: 1.000.000 Hektar
Spanien: 1.300.000 Hektar ( momentan noch größte Weinbaufläche weltweit )
Neu im Angebot:
1) Cuveé Köwerich brut, Jahrgang 2000 als Winzersekt
Hier ist der Sektgrundwein identisch mit dem leider ausverkauften Cuveé Köwerich trocken bzw. halbtrocken aus der alten Weinpreisliste.
2) Leckere Sahne, veredelt mit altem, holzfassgelagertem Traubenbrannt, mit 25% Alk. lange haltbar. Wir nennen diesen Gaumenkitzel „Wein-Sahnelikör"
3) Weingelee, weiß und rot. Hergestellt aus Wein, nicht aus Trauben. Deshalb wenig süß, dafür aber umso herzhafter.
Für den absoluten Gaumenkitzel sorgen unsere beiden 2001 er Spitzenweine: Beerenauslese und Eiswein vom Riesling. Da werden selbst die edelfruchtigen Kostbarkeiten eines Chateau d'Yquem blass um die Nase!
Wie in den vergangenen Jahren, möchten wir Sie auch diesmal bitten, uns Ihren Weinbedarf möglichst frühzeitig mitzuteilen. Da die Weinlese sich, trotz Klimawandel, wieder sehr lange hinziehen wird, ist die Zeit für unsere Lieferungen vor dem Weihnachtsfest stark eingeschränkt. Ein frühzeitiger Überblick über die zu liefernden Mengen erleichtert uns die Planung und Durchführung der Liefertouren und erspart uns so manchen Fahrtkilometer. Außerdem macht ein schönes Polster an Bestellungen Ihrem Winzer den Kopf freier für die schöne, aber auch harte und verantwortungsvolle Arbeit bei der Lese und im Keller. Wir alle sind ja an einer möglichst optimalen Qualität und Bekömmlichkeit der 2002er Weine interessiert. Deshalb bitten wir in diesem wichtigen Punkt wieder um Ihr Verständnis.

P. S.: Am 11. und 12. Oktober starten wir eine Weinlieferung Richtung Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Für eiligen Bedarf eine günstige Gelegenheit.
Für bei Ihnen zu Hause, geplante Weinproben bitte mögl. bald Termine absprechen!

 

 

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Weingut

Scholtes-Welter

 
 
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