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KLÜSSERATHER WINZERBRIEF 2002-III

 

 

Hallo, liebe Kunden und Weinfreunde!

Die diesjährige Traubenlese ging Mitte des Monats mit dem traditionellen kräftigen Hahnenschrei zu Ende. Eingebracht wurden köstliche Traubenqualitäten! Für uns ist dies ein Anlass, das Jahr, so wie es sich für uns Winzer dargestellt hat, wieder für Sie Revue passieren zu lassen.
Nach einem für die Mosel ziemlich kalten Januar, mit Temperaturen bis zu -14° C., begann der Frühling bereits im Februar. Ende des Monats blühten bereits Mandeln und Aprikosen. In den folgenden Monaten war es warm und ziemlich feucht, sodass auch alles andere Obst früh ergrünte und überwiegend gut blühen konnte. Fröste gab es seit dem Februar keine mehr, weshalb der ansonsten sehr spät und vorsichtig austreibende Wein, auch schon zeitig im April zu wachsen begann. Dadurch, und durch den kältebedingt ausgefallenen Januar, hatten die Winzer Mühe den Rebschnitt und das Binden der Weinberge fristgerecht durchzuführen. Insbesondere betraf das die Winzer die nicht schon im November Lind Dezember fleißig vorgearbeitet hatten!
Der Austrieb der Weinberge war sehr gleichmäßig, nur in flachen Mulden, in denen die schwerere, kalte Luft nicht abfließen kann, sah man einige Winterfrostschäden, die aber insgesamt nicht ins Gewicht fallen. Der Mai brachte warme Temperaturen mit einigem Regen, was die Reben weiterhin gut gedeihen ließ. Das relativ feuchte Wetter endete dann Anfang Juni. Danach war es dann heiß und trocken und die Temperaturen stiegen Mitte des Monats bereits auf über 38 Grad! Dadurch ging die Weinblüte mit ihrem betörenden Duft sehr rasch vonstatten und in den Südhängen gab es durch die Hitze einige Verrieselungsschäden. Diese Schäden treten bei zu heißem bzw. zu kühlem Blütewetter auf und bringen eine mehr oder weniger große Anzahl unbefruchteter, kleiner sog. Jungfernbeeren hervor, die aufgrund ihres sehr geringen Wassergehaltes sehr hochwertig sind, wie ja überhaupt immer die kleinen Beeren den besten Wein erbringen. An dieser Tatsache sieht man, dass ein Schaden sich auch manchmal als ein Vorteil entpuppen kann. Am 27. Juni, dem Siebenschläfertag, der ja meist das Wetter für die folgenden Wochen kündet, zogen einige Wolken auf, teils schien die Sonne und es fiel kein Regen. In der Folgezeit war es dann öfters einmal bewölkt, aber auch die Sonne ließ uns nicht im Stich, es fiel kein Regen, obwohl ständig welcher angesagt wurde. In Gärten und Blumenbeeten hatte nun die Gießkanne das Regiment. Als dann am 10. Juli bei einem Gewitterguss 25 Liter pro qm Niederschlag fiel, war es dafür auch höchste Zeit. Die Erde war nämlich ziemlich ausgetrocknet und junge Weinstöcke begannen bereits zu „manken"; wie der Winzer sagt, d. h. sie zeigten erste Welkeerscheinungen! Danach war es wieder heiß, es gab keinen nennenswerten Regen und - Norddeutschland versank im Wasser. Ein wenig davon hätten wir gerne gehabt, denn die optimale Weinqualität wird erreicht bei Wärme und ausreichender Feuchtigkeit. Am 1. August gab es dann einen ergiebigen Regen, danach war es wieder einige Tage trocken und heiß. Bis zum 12. 8. gab es dann eine Woche mit einigen schlappen Schauern bei allerdings warmen Temperaturen. Mit Schrecken und Trauer mussten wir nun sehen, wie erst im Erzgebirge und in Teilen Bayerns, später in fast ganz Sachsen und Sachsen-Anhalt enorme Wasser- und Schlammassen unzählige Menschen bedrohten und vielen die Existenz raubte. Aber auch in vielen anderen Teilen Europas, angefangen von Mallorca, über Italien, Österreich, Tschechien bis nach Südrußland hatten die Menschen unter den
Klimakapriolen zu leiden. Gott sei Dank, blieben wir an der Mosel von all diesem Unheil verschont und konnten einer viel versprechenden Ernte entgegensehen! Mitte August war es wieder schön und warm, allerdings wurde es zu unserem Weinfest vom 23. bis zum 25. 8. wieder wechselhafter. Die letzten August- und die ersten Septembertage herrschte „Saunawetter": Es war windstill, schwülheiß und es gab jeden Nachmittag ergiebige Gewitterschauer. Später war der September naturgemäß nicht mehr so heiß, aber immer noch sehr warm und meist trocken. Die Erwartungen an den 2002er stiegen und die Chancen standen nicht schlecht, die überragenden 2001 er Qualitäten vielleicht noch etwas zu übertrumpfen.
Die Lese begann mit der Bacchustraube am 30. 9. und verlief zunächst bei ziemlich gutem Wetter. Um den 10. Oktober waren die frühreifen Trauben Bacchus, Müller-Thurgau, Optima und Dornfelder gelesen und wir warteten auf den „Goldenen Oktober"! Nun verließ uns aber das Glück, und das Klima, das bis jetzt für den Wein so optimal war zeigte plötzlich ein anderes Gesicht. Am 16. 10. begann die Rieslinglese, immer noch auf besseres Wetter hoffend, zuerst in den weniger guten Lagen auf flachem Talgrund. Aber auch aus diesen Lagen konnten wir Trauben mit relativ hohen „Mostgewichten" an unsere Genossenschaft verkaufen. Der Riesling aber, den Sie von uns kennen wird überwiegend, zwecks natürlichem Säureabbau, erst im November gelesen und stammt fast ausschließlich aus Spitzensteillagen, mit dem für, die Filigranität des Rieslings so wichtigen Schieferboden! Das nun folgende, oft schlechte Wetter konnte dem Riesling und auch den Burgundersorten ihre beträchtliche Qualität, die sie bis dahin angesammelt hatten, nicht mehr nehmen die Öchslegrade nahmen aber auch nicht mehr weiter zu. Trotzdem ergibt sich für spät gelesene Trauben immer ein Qualitätsvorteil, weil die Weine, aufgrund des Abbaues der unangenehmen sog. Apfelsäure, wesentlich harmonischer und bekömmlicher sind. Immerhin gab es ab Anfang November einige trockene Tage, die man genau abpassen musste, sodass die besten Trauben problemlos eingebracht werden konnten. Aber auch an den anderen Tagen hatten wir insoweit Glück, dass der meiste Regen nun nachts fiel.
Alle Unbilden der Witterung konnten aber die Stimmung in unserer Truppe, die aus 10 bis 12 einheimischen und drei polnischen Lesehelfern besteht und zwischenzeitlich durch einige fleißige Helfer aus unserem Kundenkreis verstärkt war, nicht mindern! Es wurden fleißig die Trauben nach Qualitäten sortiert, bzw. aus- und vorgelesen um 'beste Ergebnisse zu erreichen, und um von vorneherein die jeweils beste Ausgangsbasis für die verschiedenen Geschmacksstufen von trocken bis edelsüß zu schaffen. Denn die Qualität kommt aus dem Weinberg, im Keller geht es dann darum, die von der Natur gelieferte Qualität zu erhalten und durch schonende, natürliche Verfahren als bekömmlichen Wein in die Flasche zu bekommen. Klaglos wurden auch von unseren Helfern die vielen regenbedingten Arbeitsunterbrechungen hingenommen, es blieben auch alle gesund, was vielleicht auf den reichlich konsumierten Wein zurückzuführen ist.
Alles in allem kann gesagt werden : Mit Ausnahme der letzten Wochen ein Jahr, wie es sich der Winzer nicht besser wünschen kann, mit Qualitäten, die dem edlen 2001 kaum (wenn überhaupt, das muss sich noch herausstellen) nachstehen werden. Besser als der legendäre 1976er, wie als Frage in unserem letzten Winzerbrief vom September d. J: aufgeworfen wird er aber nicht werden, dafür war das Herbstwetter einfach nicht schön genug. Aber es gibt fast alle Qualitäten, vom Landwein bis zur hochwertigsten Auslese, ganz besonders freuen sich viele auf das in-, letzten Jahr leider nicht gelungene (auch das passiert selbst in den besten Jahrgängen einmal) Cuvee Köwerich, das sich in diesem Jahr viel versprechend präsentiert. Auch der Chardonnay, 2001 nicht ganz durchgegoren und deshalb jetzt als halbtrockener Wein im Angebot, ist bereits weitgehend vergoren und wird ein toller trockener Wein werden!
Überhaupt ist es jetzt im Weinkeller sehr interessant, der junge Wein muss in regelmäßigen Abständen probiert werden und ein Wein, der in seiner Gärung stockt muss aufgerührt oder vielleicht sogar angewärmt werden um den Hefen ihre Gärarbeit zu erleichtern. Andere, wegen der besonderen Traubenbeschaffenheit eher als liebliche Weine geeignete Partien, müssen u. U: mal für ein Paar Tage in eine kühlere Ecke des Kellers gepumpt werden um die Gärung zu verlangsamen und schließlich abzustoppen.
Einige Weinfreunde haben den Reiz dieser Probierzeit für sich entdeckt und besuchen uns im Laufe des Winters, auch, um frühzeitig über die Qualität des „Neuen" im Bilde zu sein.
Außer der Kellerarbeit kommt jetzt das sog. Weihnachtsgeschäft auf uns zu, die Resonanz auf unseren letzten Winzerbrief war sehr gut und wir begannen am letzten Wochenende bereits mit den Auslieferungen. Für die vielen frühzeitigen Bestellungen möchten wir uns bedanken , sie erleichtern
uns enorm die Planung unserer Liefertouren, über deren genaue Termine wir uns wieder wie gehabt einige Tage vorher tel. mit Ihnen absprechen werden. Natürlich freuen wir uns auch noch über weitere Bestellungen, die Ihnen ganz sicher auch noch vor den Festtagen angeliefert werden. Ganz besonders bedanken möchten wir uns auch bei den Kunden, die uns immer wieder ihre Wohnung für Weinproben in privatem Kreis zur Verfügung stellen und damit den Freundeskreis für unseren Wein ständig zu vergrößern helfen. Froh sind wir allerdings, wenn die Initiative dazu von Ihnen ausgeht, denn nichts wäre uns unangenehmer, als Ihnen durch ständige Nachfragen diesbezüglich auf „den Wecker zu gehen"!
Für die anderen, nicht mit Keller oder Auslieferungen beschäftigten Mitglieder unserer Familie beginnt jetzt schon das Schneiden der Weinberge. Dies ist eine sehr schöne, aber zeitraubende Arbeit und muss genau wie das anschließende Anbinden der belassenen Fruchtruten, bis Ende März erledigt sein. Für das Anbinden der Reben schneiden wir im Moselvorland aus einer extra angelegten Parzelle Weidenruten als natürliches und verrottendes Material. Dies muss jetzt bald geschehen, bevor das erste Hochwasser auftritt, und das ganze Gelände überschwemmt!
Wenn es Ihnen möglich ist und Ihre Platzverhältnisse es erlauben, nehmen wir Ihre leeren Weinflaschen gerne wieder zurück. Dadurch können wir einiges an Kosten einsparen, was ja gerade in wirtschaftlich nicht so leichten Zeiten wichtig ist, außerdem tun wir unserer Umwelt einen Gefallen! Ganz erfreulich im nun ablaufenden Jahr war auch die Resonanz auf unsere Gästezimmer und Ferienwohnungen und auch für das nächste Jahr sind bereits etliche Termine vereinbart. An dieser Stelle auch nochmals vielen Dank für die vielen guten Weiterempfehlungen und die „Mund zu Mund Propaganda, die viele von Ihnen zu unserem Nutzen betrieben haben. Für uns ist dies Ansporn unser Bestes zu tun und den hohen Erwartungen sowohl in punkto Service, als auch in Bezug auf die Qualität unserer Produkte, gerecht zu werden.
Für die Freunde eines zünftigen Laientheaters empfehlen wir die Köwericher Theatertage. Da wieder einige von Ihnen den Wunsch geäußert haben, sich dies nicht entgehen lassen zu wollen, hier nun die Termine: 22. u. 23. 3., 29. u. 30. 3., 5. u. 6. 4., sowie evtl. noch der 12. 4.
Zur Aufführung gelangt das Mundartstück „Gaudi im Heu"; bei dem Ihr Winzer wieder eine Hauptrolle übernimmt. Auf Wunsch können wieder Karten reserviert werden, der Eintritt kostet 6 Euro.
Stichwort Öchslegrade:
Mit den Öchslegraden bestimmt man das spezifische Gewicht des frischen Traubensaftes (=Mostes). Daher auch die Bezeichnung „Mostgewicht": Aus diesem Mostgewicht lassen sich nun Rückschlüsse auf den Zuckergehalt des Saftes und damit auch auf den Alkoholgehalt des späteren Weines ziehen. Ein Durchschnittsmost des Jahres 2002 hatte etwa 85 Grad Öchsle. Da l Grad Öchsle etwa 2 Gramm pro Liter Frucht- und Traubenzucker entspricht, hat ein solcher Most etwa 170 Gramm pro Ltr. Zucker. Bei trockenen Weinen bleibt von dem Zucker so viel wie nichts übrig und es ergeben sich ca. 85 g/1 Alkohol. Bei hochwertigen Weinen und langsamer Gärung fällt die Alkoholausbeute allerdings oft etwas höher aus. Der Namensgeber für das Mostgewicht war ein Professor Öchsle aus Württemberg, der sich durch seine Forschungen gegen Ende des 19. Jhd. sehr um den Weinbau verdient gemacht hat.
In den nächsten Wochen werde ich viele von Ihnen ja wieder sehen, viele auch zu einer fröhlichinformativen Weinprobe in Ihrem Heimatort. Allen anderen wünsche ich, auch im Namen der ganzen Familie jetzt schon ein frohes Weihnachtsfest und alles Gute im Neuen Jahr mit einem hoffentlich gesunden Wiedersehen.

 

 

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Weingut

Scholtes-Welter

 
 
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