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Hallo, liebe Kunden und Weinfreunde!
Die diesjährige Traubenlese ging Mitte
des Monats mit dem traditionellen kräftigen Hahnenschrei zu Ende.
Eingebracht wurden köstliche Traubenqualitäten! Für uns
ist dies ein Anlass, das Jahr, so wie es sich für uns Winzer dargestellt
hat, wieder für Sie Revue passieren zu lassen.
Nach einem für die Mosel ziemlich kalten Januar, mit Temperaturen
bis zu -14° C., begann der Frühling bereits im Februar. Ende
des Monats blühten bereits Mandeln und Aprikosen. In den folgenden
Monaten war es warm und ziemlich feucht, sodass auch alles andere Obst
früh ergrünte und überwiegend gut blühen konnte.
Fröste gab es seit dem Februar keine mehr, weshalb der ansonsten
sehr spät und vorsichtig austreibende Wein, auch schon zeitig im
April zu wachsen begann. Dadurch, und durch den kältebedingt ausgefallenen
Januar, hatten die Winzer Mühe den Rebschnitt und das Binden der
Weinberge fristgerecht durchzuführen. Insbesondere betraf das die
Winzer die nicht schon im November Lind Dezember fleißig vorgearbeitet
hatten!
Der Austrieb der Weinberge war sehr gleichmäßig, nur in flachen
Mulden, in denen die schwerere, kalte Luft nicht abfließen kann,
sah man einige Winterfrostschäden, die aber insgesamt nicht ins
Gewicht fallen. Der Mai brachte warme Temperaturen mit einigem Regen,
was die Reben weiterhin gut gedeihen ließ. Das relativ feuchte
Wetter endete dann Anfang Juni. Danach war es dann heiß und trocken
und die Temperaturen stiegen Mitte des Monats bereits auf über
38 Grad! Dadurch ging die Weinblüte mit ihrem betörenden Duft
sehr rasch vonstatten und in den Südhängen gab es durch die
Hitze einige Verrieselungsschäden. Diese Schäden treten bei
zu heißem bzw. zu kühlem Blütewetter auf und bringen
eine mehr oder weniger große Anzahl unbefruchteter, kleiner sog.
Jungfernbeeren hervor, die aufgrund ihres sehr geringen Wassergehaltes
sehr hochwertig sind, wie ja überhaupt immer die kleinen Beeren
den besten Wein erbringen. An dieser Tatsache sieht man, dass ein Schaden
sich auch manchmal als ein Vorteil entpuppen kann. Am 27. Juni, dem
Siebenschläfertag, der ja meist das Wetter für die folgenden
Wochen kündet, zogen einige Wolken auf, teils schien die Sonne
und es fiel kein Regen. In der Folgezeit war es dann öfters einmal
bewölkt, aber auch die Sonne ließ uns nicht im Stich, es
fiel kein Regen, obwohl ständig welcher angesagt wurde. In Gärten
und Blumenbeeten hatte nun die Gießkanne das Regiment. Als dann
am 10. Juli bei einem Gewitterguss 25 Liter pro qm Niederschlag fiel,
war es dafür auch höchste Zeit. Die Erde war nämlich
ziemlich ausgetrocknet und junge Weinstöcke begannen bereits zu
„manken"; wie der Winzer sagt, d. h. sie zeigten erste Welkeerscheinungen!
Danach war es wieder heiß, es gab keinen nennenswerten Regen und
- Norddeutschland versank im Wasser. Ein wenig davon hätten wir
gerne gehabt, denn die optimale Weinqualität wird erreicht bei
Wärme und ausreichender Feuchtigkeit. Am 1. August gab es dann
einen ergiebigen Regen, danach war es wieder einige Tage trocken und
heiß. Bis zum 12. 8. gab es dann eine Woche mit einigen schlappen
Schauern bei allerdings warmen Temperaturen. Mit Schrecken und Trauer
mussten wir nun sehen, wie erst im Erzgebirge und in Teilen Bayerns,
später in fast ganz Sachsen und Sachsen-Anhalt enorme Wasser- und
Schlammassen unzählige Menschen bedrohten und vielen die Existenz
raubte. Aber auch in vielen anderen Teilen Europas, angefangen von Mallorca,
über Italien, Österreich, Tschechien bis nach Südrußland
hatten die Menschen unter den
Klimakapriolen zu leiden. Gott sei Dank, blieben wir an der Mosel von
all diesem Unheil verschont und konnten einer viel versprechenden Ernte
entgegensehen! Mitte August war es wieder schön und warm, allerdings
wurde es zu unserem Weinfest vom 23. bis zum 25. 8. wieder wechselhafter.
Die letzten August- und die ersten Septembertage herrschte „Saunawetter":
Es war windstill, schwülheiß und es gab jeden Nachmittag
ergiebige Gewitterschauer. Später war der September naturgemäß
nicht mehr so heiß, aber immer noch sehr warm und meist trocken.
Die Erwartungen an den 2002er stiegen und die Chancen standen nicht
schlecht, die überragenden 2001 er Qualitäten vielleicht noch
etwas zu übertrumpfen.
Die Lese begann mit der Bacchustraube am 30. 9. und verlief zunächst
bei ziemlich gutem Wetter. Um den 10. Oktober waren die frühreifen
Trauben Bacchus, Müller-Thurgau, Optima und Dornfelder gelesen
und wir warteten auf den „Goldenen Oktober"! Nun verließ
uns aber das Glück, und das Klima, das bis jetzt für den Wein
so optimal war zeigte plötzlich ein anderes Gesicht. Am 16. 10.
begann die Rieslinglese, immer noch auf besseres Wetter hoffend, zuerst
in den weniger guten Lagen auf flachem Talgrund. Aber auch aus diesen
Lagen konnten wir Trauben mit relativ hohen „Mostgewichten"
an unsere Genossenschaft verkaufen. Der Riesling aber, den Sie von uns
kennen wird überwiegend, zwecks natürlichem Säureabbau,
erst im November gelesen und stammt fast ausschließlich aus Spitzensteillagen,
mit dem für, die Filigranität des Rieslings so wichtigen Schieferboden!
Das nun folgende, oft schlechte Wetter konnte dem Riesling und auch
den Burgundersorten ihre beträchtliche Qualität, die sie bis
dahin angesammelt hatten, nicht mehr nehmen die Öchslegrade nahmen
aber auch nicht mehr weiter zu. Trotzdem ergibt sich für spät
gelesene Trauben immer ein Qualitätsvorteil, weil die Weine, aufgrund
des Abbaues der unangenehmen sog. Apfelsäure, wesentlich harmonischer
und bekömmlicher sind. Immerhin gab es ab Anfang November einige
trockene Tage, die man genau abpassen musste, sodass die besten Trauben
problemlos eingebracht werden konnten. Aber auch an den anderen Tagen
hatten wir insoweit Glück, dass der meiste Regen nun nachts fiel.
Alle Unbilden der Witterung konnten aber die Stimmung in unserer Truppe,
die aus 10 bis 12 einheimischen und drei polnischen Lesehelfern besteht
und zwischenzeitlich durch einige fleißige Helfer aus unserem
Kundenkreis verstärkt war, nicht mindern! Es wurden fleißig
die Trauben nach Qualitäten sortiert, bzw. aus- und vorgelesen
um 'beste Ergebnisse zu erreichen, und um von vorneherein die jeweils
beste Ausgangsbasis für die verschiedenen Geschmacksstufen von
trocken bis edelsüß zu schaffen. Denn die Qualität kommt
aus dem Weinberg, im Keller geht es dann darum, die von der Natur gelieferte
Qualität zu erhalten und durch schonende, natürliche Verfahren
als bekömmlichen Wein in die Flasche zu bekommen. Klaglos wurden
auch von unseren Helfern die vielen regenbedingten Arbeitsunterbrechungen
hingenommen, es blieben auch alle gesund, was vielleicht auf den reichlich
konsumierten Wein zurückzuführen ist.
Alles in allem kann gesagt werden : Mit Ausnahme der letzten Wochen
ein Jahr, wie es sich der Winzer nicht besser wünschen kann, mit
Qualitäten, die dem edlen 2001 kaum (wenn überhaupt, das muss
sich noch herausstellen) nachstehen werden. Besser als der legendäre
1976er, wie als Frage in unserem letzten Winzerbrief vom September d.
J: aufgeworfen wird er aber nicht werden, dafür war das Herbstwetter
einfach nicht schön genug. Aber es gibt fast alle Qualitäten,
vom Landwein bis zur hochwertigsten Auslese, ganz besonders freuen sich
viele auf das in-, letzten Jahr leider nicht gelungene (auch das passiert
selbst in den besten Jahrgängen einmal) Cuvee Köwerich, das
sich in diesem Jahr viel versprechend präsentiert. Auch der Chardonnay,
2001 nicht ganz durchgegoren und deshalb jetzt als halbtrockener Wein
im Angebot, ist bereits weitgehend vergoren und wird ein toller trockener
Wein werden!
Überhaupt ist es jetzt im Weinkeller sehr interessant, der junge
Wein muss in regelmäßigen Abständen probiert werden
und ein Wein, der in seiner Gärung stockt muss aufgerührt
oder vielleicht sogar angewärmt werden um den Hefen ihre Gärarbeit
zu erleichtern. Andere, wegen der besonderen Traubenbeschaffenheit eher
als liebliche Weine geeignete Partien, müssen u. U: mal für
ein Paar Tage in eine kühlere Ecke des Kellers gepumpt werden um
die Gärung zu verlangsamen und schließlich abzustoppen.
Einige Weinfreunde haben den Reiz dieser Probierzeit für sich entdeckt
und besuchen uns im Laufe des Winters, auch, um frühzeitig über
die Qualität des „Neuen" im Bilde zu sein.
Außer der Kellerarbeit kommt jetzt das sog. Weihnachtsgeschäft
auf uns zu, die Resonanz auf unseren letzten Winzerbrief war sehr gut
und wir begannen am letzten Wochenende bereits mit den Auslieferungen.
Für die vielen frühzeitigen Bestellungen möchten wir
uns bedanken , sie erleichtern
uns enorm die Planung unserer Liefertouren, über deren genaue Termine
wir uns wieder wie gehabt einige Tage vorher tel. mit Ihnen absprechen
werden. Natürlich freuen wir uns auch noch über weitere Bestellungen,
die Ihnen ganz sicher auch noch vor den Festtagen angeliefert werden.
Ganz besonders bedanken möchten wir uns auch bei den Kunden, die
uns immer wieder ihre Wohnung für Weinproben in privatem Kreis
zur Verfügung stellen und damit den Freundeskreis für unseren
Wein ständig zu vergrößern helfen. Froh sind wir allerdings,
wenn die Initiative dazu von Ihnen ausgeht, denn nichts wäre uns
unangenehmer, als Ihnen durch ständige Nachfragen diesbezüglich
auf „den Wecker zu gehen"!
Für die anderen, nicht mit Keller oder Auslieferungen beschäftigten
Mitglieder unserer Familie beginnt jetzt schon das Schneiden der Weinberge.
Dies ist eine sehr schöne, aber zeitraubende Arbeit und muss genau
wie das anschließende Anbinden der belassenen Fruchtruten, bis
Ende März erledigt sein. Für das Anbinden der Reben schneiden
wir im Moselvorland aus einer extra angelegten Parzelle Weidenruten
als natürliches und verrottendes Material. Dies muss jetzt bald
geschehen, bevor das erste Hochwasser auftritt, und das ganze Gelände
überschwemmt!
Wenn es Ihnen möglich ist und Ihre Platzverhältnisse es erlauben,
nehmen wir Ihre leeren Weinflaschen gerne wieder zurück. Dadurch
können wir einiges an Kosten einsparen, was ja gerade in wirtschaftlich
nicht so leichten Zeiten wichtig ist, außerdem tun wir unserer
Umwelt einen Gefallen! Ganz erfreulich im nun ablaufenden Jahr war auch
die Resonanz auf unsere Gästezimmer und Ferienwohnungen und auch
für das nächste Jahr sind bereits etliche Termine vereinbart.
An dieser Stelle auch nochmals vielen Dank für die vielen guten
Weiterempfehlungen und die „Mund zu Mund Propaganda, die viele
von Ihnen zu unserem Nutzen betrieben haben. Für uns ist dies Ansporn
unser Bestes zu tun und den hohen Erwartungen sowohl in punkto Service,
als auch in Bezug auf die Qualität unserer Produkte, gerecht zu
werden.
Für die Freunde eines zünftigen Laientheaters empfehlen wir
die Köwericher Theatertage. Da wieder einige von Ihnen den Wunsch
geäußert haben, sich dies nicht entgehen lassen zu wollen,
hier nun die Termine: 22. u. 23. 3., 29. u. 30. 3., 5. u. 6. 4., sowie
evtl. noch der 12. 4.
Zur Aufführung gelangt das Mundartstück „Gaudi im Heu";
bei dem Ihr Winzer wieder eine Hauptrolle übernimmt. Auf Wunsch
können wieder Karten reserviert werden, der Eintritt kostet 6 Euro.
Stichwort Öchslegrade:
Mit den Öchslegraden bestimmt man das spezifische Gewicht des frischen
Traubensaftes (=Mostes). Daher auch die Bezeichnung „Mostgewicht":
Aus diesem Mostgewicht lassen sich nun Rückschlüsse auf den
Zuckergehalt des Saftes und damit auch auf den Alkoholgehalt des späteren
Weines ziehen. Ein Durchschnittsmost des Jahres 2002 hatte etwa 85 Grad
Öchsle. Da l Grad Öchsle etwa 2 Gramm pro Liter Frucht- und
Traubenzucker entspricht, hat ein solcher Most etwa 170 Gramm pro Ltr.
Zucker. Bei trockenen Weinen bleibt von dem Zucker so viel wie nichts
übrig und es ergeben sich ca. 85 g/1 Alkohol. Bei hochwertigen
Weinen und langsamer Gärung fällt die Alkoholausbeute allerdings
oft etwas höher aus. Der Namensgeber für das Mostgewicht war
ein Professor Öchsle aus Württemberg, der sich durch seine
Forschungen gegen Ende des 19. Jhd. sehr um den Weinbau verdient gemacht
hat.
In den nächsten Wochen werde ich viele von Ihnen ja wieder sehen,
viele auch zu einer fröhlichinformativen Weinprobe in Ihrem Heimatort.
Allen anderen wünsche ich, auch im Namen der ganzen Familie jetzt
schon ein frohes Weihnachtsfest und alles Gute im Neuen Jahr mit einem
hoffentlich gesunden Wiedersehen.
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