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KLÜSSERATHER WINZERBRIEF 2003-I

 

 

Hallo, liebe Kunden und Weinfreunde!

2002er schließen fast an Spitzenqualitäten des Vorjahres an, manche Partien überragen sogar den gefragten 2001 er!
Mit diesen Worten möchten wir den Reigen der diesjährigen Winzerbriefe eröffnen, viele von Ihnen warten schon darauf.
Inzwischen sind einige Partien des neuen Jahrganges abgefüllt, als erste wie immer unsere Rotweine von Dornfelder und Blauem Spätburgunder. Die meisten Weißweine, deren Gärung sich ja immer wesentlich länger hinzieht, werden ab Mitte Mai folgen.
Die Ernte 2002 war mengenmäßig etwas größer als das Vorjahr, an guten, d. h. trockenen Tagen wurden etliche Spitzenqualitäten für unseren Keller geerntet, bei schlechtem Wetter aber auch viele mittelmäßig bis gute, leider etwas verwässerte Trauben, die dann an zwei Genossenschaften verkauft wurden. Gott sei Dank ist in diesem Bereich des Traubenverkaufs, der ja auch einen beachtlichen Teil unseres Umsatzes ausmacht, nach einigen sehr mageren Jahren eine spürbare Preiserholung auszumachen. Diese positive Entwicklung liegt im wesentlichen an dem gewachsenen überseeischen Interesse an deutschen Genossenschaftsrieslingweinen.
Nach dem relativ feuchten Herbst wurde das Wetter nach Weihnachten noch nasser und an den ersten Tagen des Januar zeigte die Mosel ein schnelles Ansteigen auf einen Stand von ca. 9,90 m am Pegel Trier. normal sind etwa 2,50 m bis 3,00 m. Vor Rekordpegelständen wie 1995 und insbesondere 1993 mit bis zu 11,34 in blieben wir jedoch glücklicherweise verschont. Dann wurde es etwas kälter, das Hochwasser ging rasch zurück und es zeigte sich auf den Höhen auch etwas Schnee. Im Februar änderte das Wetter sich dann radikal, nachts bitterkalt bis zu minus 7 °; tagsüber herrlicher Sonnenschein. Dazwischen regnete es dann nur an zwei Tagen ein wenig, das war am Rosenmontag und in einer Nacht Ende des Monats März. Ansonsten schien die Sonne von einem fast makellosen Frühlingshimmel. Auch der April, ansonsten ja wegen seiner Wetterkapriolen etwas verrufen, zeigte sich bis jetzt von seiner Bilderbuchseite, an vielen Tagen wurden schon Temperaturen von 25° C. und darüber erreicht.
Aber alles Schöne hat auch seine Schattenseite. Fällt nicht in den nächsten 2 bis 3 Wochen ein sehr ergiebiger Regen, dann wächst sich die momentane Trockenheit zu einer regelrechten Dürre aus. Unsere Anfang April neu angepflanzten 1300 Weißburgunderreben müssen nun bald sehr aufwendig bewässert werden, erste Vorbereitungen dazu werden bereits getroffen. Ansonsten riskiert man ein Vertrocknen der jungen Pflänzchen. Aktuell, 22. 04. vormittag, bei den ersten Vorbereitungen für dieses Schreiben, fallen aus einem bewölkten Himmel einige Spritzer, was jedoch weniger als ein Tropfen auf den sprichwörtlich berühmten heißen Stein ist. Den etwas älteren und vor allem den richtig alten Weinreben macht dieser aktuelle Wassermangel noch nicht zu schaffen. Überhaupt kann der Wein als ausgewachsene Pflanze auch eine monatelange Trockenheit relativ unbeschadet überstehen, es leidet im Endeffekt „nur" die daraus entstehende Weinqualität!
Hier nun wieder einige für uns wichtige Daten aus Weinbau und Familie:
09. -27. 02.: Umstellung einiger traditioneller Pfahlanlagen auf moderne Drahtrahmen, dadurch Arbeitsersparnis und leichte Qualitätsvorteile.
26.02. : Interne Vorprobe der Jungweine durch die Klüsserather Winzer.
15.3.-5.4. : Sieben Aufführungen des Lustspieles „Drei wachgeküsste Junggesellen oder Drei Pätare loafen hotz"; des Theatervereins Köwerich. Ihr Winzer als uriger und raffinierter Knecht auf der Bühne! 12.04. : Großaktion ! 1300 junge Weißburgunderreben gepflanzt, die ganze Grußfamilie im Einsatz!
09. - 25. 04: Osterferien! Auch der Nachwuchs kann nun durch Arbeit in Weinberg und Keller sein Taschengeld aufbessern.
17.04. : Gründonnerstag, fast 9000 Flaschen gefüllt, überwiegend Rotweine
20.05. : Erste offizielle Vorprobe für das „Erste Gewächs".
Wie die vergangenen Monate gezeigt haben, kann man zum Urlauben auch in unseren Gefilden, vor allem in den klimatisch bevorzugten Weinbaugebieten, mit stabilen, schönen Wetterlagen rechnen, während Sonnenschein in anderen Regionen auch nicht unbedingt garantiert ist. Einen Aufenthalt an der Mosel möchten wir Ihnen deshalb um so mehr empfehlen! Außer dem Wein, atemberaubend schöner Landschaft, den guten Wander- und
Radelmöglichkeiten, haben wir ja insbesondere für geschichtlich und kulturhistorisch Interessierte ein regelrechtes Juwel vor unserer Haustür liegen; die antike Kaiserstadt TRIER.
Mit einer urkundlichen Ersterwähnung im Jahre 16 vor Christus ist Trier unbestritten die älteste Stadt Deutschlands. In dieser Urkunde wird Trier allerdings vom römischen Kaiser Augustus bereits zur Hauptstadt der zwischen 58 und 50 vor Chr. eroberten Provinz Gallien ernannt. Er gab der Stadt den Namen Augusta Treverorum. Im Zuge der Eroberung Galliens unterwarfen die Römer auch einen Keltenstamm, der zwischen
Maas und Rhein siedelte, die Treverer. Der Name der Stadt ging also auf den Kaiser als auch besagten Keltenstamm zurück.
Dass Trier, wie wohl alle Orte an der Mosel wahrscheinlich viel älter ist als die urkundliche Ersterwähnung durch die Römer, soll eine Inschrift in lateinischer Sprache am 1683 erbauten „Roten Haus", auch „Steipe" genannt, am Trierer Hauptmarkt beweisen:
„Ante Romam Treviris stetit annis mille trecentis. Perstet et aeterna pace fruatur. Amen".
auf deutsch
„Vor Rom stand Trier 1300 Jahre. Möge es weiter bestehen und sich ewigen Friedens erfreuen. Amen". Diese Inschrift ist zwar vielleicht eine Erfindung, sie hat jedoch durchaus einen geschichtlichen Hintergrund, bewiesen durch urgeschichtliche Funde im Trierer Tal.
Eine ätiologische Sage erzählt über die Gründung der Stadt, dass einst Trebeta, der Sohn des Königs Ninus von Assyrien, auf der Flucht vor seiner ihm nach dem Leben trachtenden Stiefmutter Seminaris in Europa landete. Trebeta suchte lange nach einem geeigneten Ort für sich und seine Getreuen, bis er von einer Anhöhe aus das liebliche Tal der Mosel sah und sich spontan zur Gründung einer Stadt entschloss, die er in Anlehnung an seinen Namen Treberis nannte.
In den folgenden zwei Jahrhunderten nach der Ernennung zur Hauptstadt erlebte Trier eine große Blütezeit, wovon viele, teils sehr gut erhaltene römische Bauten Kunde geben.
Die wichtigsten sollen hier kurz vorgestellt werden:
PORTA NIGRA . Allgemein bekanntes Wahrzeichen v•"^ Trier Monumentales Nordtor der röm. Stadtbefestigung. Erbaut wurde es Ende des 2. Jahrhunderts aus schweren hellen Sandsteinquadern, die ohne Mörtel zusammengefügt wurden. Ursprünglich hieß das Tor „Porta Martis"-Tor des Mars --, doch Witterungseinflüsse ließen den Stein im Laufe der Zeit eindunkeln, sodass es im Mittelalter umbenannt wurde. In späteren Zeiten ließ sich ein Eremit namens Simeon in einer bis auf ein kleines Loch zugemauerten Klause in dem Stadttor nieder. Daher nennt man die Porta Nigra im Trierer Dialekt auch die „Simeonspoort": AMPHITHEATER: Am Ostrand der Stadt gelegen und ca. 100 nach Chr. erbaut. Das ca. 6000 qm große Oval, auf dessen 3 Rängen mit ihren 26 Sitzreihen ca. 30.000 Zuschauer Platz fanden, wurde Ende des 2. Jhd. beim Bau der röm. Befestigung in die Stadtmauer mit einbezogen. Das Publikum ergötzte sich u. a. an grausamen Gladiatorenkämpfen, 1816 fand man bei Ausgrabungen in den Kellerräumen zahlreiche Verfluchungstäfelchen der Todgeweihten. Heute wird das Amphitheater während der Sommermonate im Rahmen der Trierer Antikenfestspiele für Freilichtaufführungen genutzt.
DOM ST. PETER: Der Dom zu Trier ist die älteste Bischofskirche in Deutschland. Der Dombau geht der Überlieferung nach darauf zurück, dass die später heilig gesprochene Helena, die Mutter Kaiser Konstantins, welche 312 Christin geworden war und anschließend die Ausbreitung des Christentums förderte, dem Trierer Bischof Agritius ihren Palast zum Bau einer Kathedrale schenkte. Tatsächlich fanden Archäologen bei Ausgrabungen unter dem Domboden 1945 die Reste eines prunkvollen Raumes mit Bruchstücken von Deckengemälden.
HEILIGER ROCK: lm eigentlichen Mittelpunkt des Domes, der sog. Heiltumskammer wird die kostbarste Reliquie des Trierer Domes aufbewahrt, die den Gläubigen aus Nah und Fern als Gewand Christi gilt. Nach der Sage unternahm die Kaisermutter Helena eine Pilgerreise ins heilige Land, von wo sie den Rock mit nach Trier brachte. Lange Zeit hielten Skeptiker diese Reliquie für eine mittelalterliche Fälschung. Neuere Untersuchungen haben gezeigt, dass das Alter der Tunika auf fast 2000 Jahren veranschlagt werden kann. Gezeigt wurde der hl. Rock letztmals 1933, 1959 und 1996, wo jedesmal Millionen von Pilgern Trier besuchten.
Weitere Anziehungspunkte sind die riesige, aus gebrannten Ziegeln erbaute Palastaula Kaiser Konstantins, die sog. BASILIKA der anschließende ausgedehnte PALAS TGART EN, an dessen südlichem Ende sich die stattlichen Ruinen der KAISERTHERMEN befinden. Sehenswert ist auch die RÖMERBRÜCKE, die einzige Moselbrücke, die zu Kriegsende vor dem Einmarsch der Amerikaner nicht gesprengt wurde. Das Sabotieren dieser Sprengung der antiken Brücke kostete mehrere mutige Trierer das Leben, rettete aber der Nachwelt den Beweis, dass die Bauten Roms noch dem heutigen Verkehrsaufkommen standhalten können. Noch heute werden in jedem Jahr hunderte von römischen Münzen von Hobbysammlern und -tauchern aus dem Schlamm der Mosel unterhalb der Brücke geborgen. Die Römer glaubten ja, dass eine Münze, beim Überschreiten der Brücke in den Fluss geworfen, Glück bringe. Die BENEDIKTINERABTEI ST. MATTHIAS im Süden der Stadt beherbergt mit dem Grab des gleichnamigen Apostels das einzige Apostelgrab nördlich der Alpen! Sehr interessant sind auch die BARBARATHERMEN, das frühmittelalterliche MARKTKREUZ mitten auf dem Hauptmarkt, sowie die überdachten Ausgrabungen auf dem VIEHMARKT. Im RHEINISCHEN LANDESMUSEUM in der Weimarer Allee können unzählige Zeugnisse der langen Geschichte des Mosellandes bewundert werden, so u. a. auch der beim Bau einer Tiefgarage im Jahre 1993 gefundene Trierer Münzschatz.
Zur weiteren Geschichte Triers ist zu sagen, dass aufgrund zunehmender Germaneneinfälle die römischen Kaiser ihren Sitz, der ja fast 200 Jahre in Trier und nicht in Rom war, nach Arles im heutigen Südfrankreich verlegten. Im 5. Jh. kam Trier unter fränkische Herrschaft. Durch die karolingische Reichsteilung von 870 wurde die Stadt
dem ostfränkisch-deutschen Reich zugeschlagen. Karl der Große verlieh im 8. Jh. die Erzbischofswürde an die Trierer Bischöfe, die dann im 12. Jh. schließlich Kurfürsten wurden, d. h., sie durften mit wenigen Anderen, den deutschen Kaiser bestimmen = küren! Der 30jährige Krieg brachte Eroberungen und Verwüstungen durch französische und spanische Heere, sodass Trier im 17. Jh. nur noch 3000 Einwohner zählte. Das endgültige Aus für den antiquierten Trierer Kurstaat kam mit der Niederlage Österreichs und Preußens gegen die Truppen Napoleons. Kurze Zeit in französischem Besitz kam Trier 1815 zu Preußen und erlebte nach 1871 einen gemäßigten Aufschwung durch die Ansiedlung neuer Industrien und den beachtlichen Weinhandel. Endgültig bergauf ging es jedoch erst seit der deutsch-französischen Aussöhnung in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, als Trier und Umgebung nicht mehr den früheren „Zankapfel" darstellten. Heute ist Trier, verstärkt durch etliche Eingemeindungen, mit ca. 100.000 Einwohnern wieder etwa so groß wie zu seiner römischen Blütezeit. Im Jahre 2004 freuen wir uns auf die in Trier stattfindende Landesgartenschau Rheinland-Pfalz.
Wir hoffen, dass wir dem ein oder anderen von Ihnen ein wenig Neugierde zu einem Besuch an der Mosel machen konnten. Die Preise für unsere vor wenigen Jahren neu renovierten und eingerichteten Ferienwohnungen liegen für 2 Personen bei 34,- Euro, für jede weitere Person kommen 5,- Euro, Kleinkinder sind frei.
Unsere Doppel- bzw. Mehrbettzimmer kosten pro Person mit Frühstück 17,- Euro, bitte fordern Sie bei Interesse ' unseren Hausprospekt an.
Bereits jetzt neu vorrätig: Alter Weinbrand, Jahrgang 98; " Weiß auf Rot"
= Weinbrand aus weißen Rieslingtrauben, über 3 Jahre im ehem. Rotweinfass gelagert.
Auf was Sie sich jetzt schon freuen können:
Ab Mitte/Ende Mai: Cuveé Köwerich trocken und halbtrocken Chardonnay trocken
Unsere noch bis zum Sommer gültige Preisliste legen wir diesem Schreiben bei. Die 2002er Weine sind noch nicht aufgeführt, werden aber geliefert, soweit die entsprechenden 2001er Weine ausverkauft sind.
Da in den nächsten Wochen wieder einige Auslieferungstouren geplant sind, bitten wir Sie, uns Ihren evtl Bedarf umgehend mitzuteilen. Wie immer, nehmen wir bei dieser Gelegenheit auch gerne wieder Ihr Leergut zurück! Den Termin für evtl. bei Ihnen zu Hause geplante Weinproben bitten wir rechtzeitig mit uns abzusprechen.
......."So sehr diese Rieslinge im Ausland auch begehrt sind - national haben sie den großen Durchbruch noch nicht geschafft. Deutschland trinkt sich noch immer durch den Trend der Trockenwelle, und da kommt der allgemeine Pinot-Grigio-Trinker leider nicht auf den Gedanken, es doch einmal mit einem Mosel zu versuchen. Es gibt erstklassige trockene Weine aus diesem Anbaugebiet, das werden auch die Deutschen erstaunt feststellen, wenn erst einmal der, Ruf des deutschen Rieslings aus dem Ausland in die Heimat hallt".
von Norbert Lewandowski
Auszug aus einem Artikel der „Welt am Sonntag" vom 06. April 2003 Artikel wurde uns zugesandt von einem Kunden, herzlichen Dank!
Gut zu wissen, dass unsere Kunden im positiven Sinne nicht zu diesen „allgemeinen Weintrinkern" zählen; ein Kompliment also an Sie, von dem Verfasser dieser Zeilen und von uns!
Mit diesen Zeilen möchten wir schließen, wir wünschen Ihnen alles Gute, weiterhin viel Freude mit unserem Wein und verbleiben.

 

 

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Weingut

Scholtes-Welter

 
 
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