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KLÜSSERATHER WINZERBRIEF 2003-II

 

 

Liebe Weinfreunde!

Superstimmung! Supersommer! Superwein?

Mit dieser etwas provokanten Frage wollen wir dieses Schreiben beginnen. Ihm liegt auch die neue Preisliste 2003/2004 bei. Viele von Ihnen warten schon darauf.

Aus vielen Gesprächen mit Kunden wissen wir, daß die Erwartungen an den Jahrgang 2003 unermeßlich hoch sind! Natürlich ist es so, und viele wissen es ja auch aus den Medien, daß der Reifevorsprung der Trauben bereits zu Mitte September so groß ist, wie es selbst die allerältesten Winzer vielleicht einmal in ihrem Leben erfahren haben, nämlich im Jahr 1921! Die Chancen auf einen exzellenten Wein sind also wirklich sehr groß, fast genau so groß sind aber auch die Risiken die uns noch drohen! Bedingt durch die fast zwei Wochen dauernde Hitzewelle von 40 Grad und darüber sind viele Trauben und Blätter verbrannt und anschließend verdorrt: In Verbindung mit durch den Klimawandel neu aufgetretenen Krankheiten könnte dies bei lang andauerndem Regen zu Fäulnisnestern in den Trauben führen, die dann einen erheblichen Teil der ohnehin kleinen Ernte vernichten könnte. Dies verleitete viele Winzer in verschiedenen Weinbaugebieten Deutschlands dazu, mit der Traubenlese überhastet und voreilig zu beginnen, ohne die
Möglichkeit einer weiteren Qualitätsverbesserung zu nutzen. Denn natürlich kann es auch sein, daß durch weiteres Sonnenwetter zu Septemberende und im Oktober Qualitäten erreicht werden, die national wie international ohne Konkurrenz da stehen!

Stattdessen begnügen sich viele damit, wie auch in Mittelmeergefilden üblich, bereits Anfang September eine zwar leicht überdurchschnittliche Qualität zu lesen, ohne das große Potential dieses Jahrgangs voll zu nutzen. Für diese voreiligen Winzer scheint nun die großartige Septembersonne umsonst, welch eine Verschwendung! An der Mosel sind die Winzer mit dem Lesebeginn sehr diszipliniert, und wohl kaum einer hat; bis zum Aufsetzen dieser Zeilen, am 18. 9., die Weinlese begonnen. Etwas anderes ist natürlich die Lese von kleinen Mengen zur Gewinnung von Federweißen, die auch hier, bei einzelnen Betrieben mit viel Publikumsverkehr (Straußwirtschaften u. ä.), bereits stattgefunden hat. Die Frage, wie denn der 2003er wirklich wird, kann also frühestens beantwortet werden wenn er im Faß ist, und dies wird z. T: noch mindestens 6 - 7 Wochen dauern. Auf jeden Fall wird die Ernte klein ausfallen, höchstens 60 % des letztjährigen Ertrages dürften erreicht werden. Sie müssen sich jedoch nicht um sehr ansteigende Preise sorgen, denn genau so wenig, wie wir bei einer großen Ernte die Preise herabsetzen, werden wir sie bei einer kleinen Ernte erhöhen, mit Ausnahme eines gewissen Inflationsausgleiches, der gelegentlich eine Preiserhöhung im 10-Centbereich nötig macht.

Hier nun wieder einige wichtige Daten aus dem Winzerleben:

24.-25.04.: Gemeinschaftsaktion der Klüsserather und Köwericher Winzer samt der Dorfjugend! Ca. 70000 Ampullen mit Pheromonen zur umweltschonenden Bekämpfung des sog. Traubenwicklers an etwa jedem 20. Rebstock im Steilhang befestigt. Fläche ca. 120 ha.
18.-20.05.: Endlich ergiebiger Landregen, Boden richtig naß, junge Reben vor Vertrocknen bewahrt!
26.O6.: Mit dem sog. 1. Aufbinden beginnt für die ganze Familie die arbeitsintensive Zeit der Laubarbeiten.
30.05.: Ziemlich spät: 300 Rieslingreben gepflanzt. Anf. Mai war es dafür zu trocken, spät. zu naß! 04. 06.: Sehr frühes Ende der Weinblüte, gute Qualitäten möglich! 06. - 09. 06.: Pfingsten - Internationales Trachtentreffen in Klüsserath. 14. 07.: Erste Trauben vom Blauen Spätburgunder werden rot = Reifebeginn
28.07.: Erste Rieslingtrauben sind weich = Reifebeginn!
22.-24.08.: Weinfest „Unter den Linden" in Klüsserath bei schönstem Wetter, nicht mehr zu heiß, Temperaturen nur bis 30 Grad.
09.09.: Exkursion mit den Vereinigten Weingütern ins württembergische Weinbaugebiet. Leider waren Weinproben bei Privatwinzern wegen der dort bereits laufenden Weinlese nur schwer zu organisieren.

Bitte vormerken:
29.11.: Eröffnung der großen Klüsserather Krippenausstellung. Dargeboten wird u. a. ein etwas anderes Krippenspiel, mit Ihrem Winzer in einer Hauptrolle.
Klüsserather Adventsmarkt
21.12.: Ende der Klüsserather Krippenausstellung.

Nachdem wir Ihnen in einem der vorherigen Winzerbriefe die Königin der Weißweine, den Riesling näher gebracht haben, möchten wir Ihnen in diesem Schreiben etwas über eine der wertvollsten Rotweintrauben erzählen. Zum Teil stützen wir uns dabei auf Auszüge aus dem Taschenbuch der Rebsorten 2003.

„Der Burgunder zählt zu den ältesten Kulturreben der Menschheit. Als Urheimat gilt das Niltal. Er könnte sich dort aus der Vitis vinifera occidentalis entwickelt haben. Sein Weg nach Europa ist mit der Verbreitung der Rebkultur durch Phönizier, Griechen und Römer verbunden. Der Anbau des Spätburgunders in Burgund kann bis ins 4. Jahrhundert zurückverfolgt werden. So wie der Riesling unter den Weißweinsorten, nimmt der Blaue Spätburgunder unter den Rotweinsorten die oberste Qualitätsstufe ein. In den nördlichen Weinbaugebieten Europas werden die edelsten Rotweine aus ihm gewonnen. Der infolge Degeneration der Sorte stark gefährdete Anbau konnte, dank intensiver Zucht, wieder gesichert werden."

Verbreitung: Die Statistik von 1994 weist eine Anbaufläche von 6994 ha und 2001 von 9806 ha für Deutschland aus, er erfreut sich also wachsender Beliebtheit.

Synonyme: (= andere gebräuchliche Namen für die Sorte)
Deutschland: Blauer Spätburgunder, Spätburgunder. Blauburgunder, Klävner, Klebrot. Schwarzer Burgunder, Schwarzer Riesling. Süßling, Süßedel, Süßrot, Möhrchen, Malterdinger Frankreich: Pinot noir, Pinot Franc noir, Bourguignon noir
Österreich: Blauer Spätburgunder, Blauer Nürnberger
Italien: Pignol, Pignola, Pino nero
Schweiz: Blauer Spätburgunder, Klevner, Pinot noir

Ansprüche an die Lage:
„Der Blaue Spätburgunder stellt hohe Ansprüche an die Lage, die aber nicht so hoch sind wie die des Rieslings. Sie liegen etwa in der Mitte zwischen Silvaner und Riesling. Ein Anbau in geringeren Lagen ist falsch, da die Qualität eines Rotweines auch vom Alkoholgehalt abhängt. Die Lagen sind daher so zu wählen, daß auch in geringen Jahren Mostgewichte von wenigstens 80 Grad Oechsle erreicht werden. In geringen Lagen bleibt die Säure unharmonisch hoch."

Ansprüche an den Boden:
„Alle Fachleute empfehlen warme, lockere, tiefgründige Böden, die nicht zu trocken, aber ausreichend feucht sind. Richtig ist, daß schwere, kalte, zur Verdichtung neigende Böden dem Blauen Spätburgunder keine idealen Standorte bieten. Bei guter Humusversorgung sind dagegen leicht erwärmbare und trockene Gesteinsböden mit ausreichendem Feinerdegehalt noch recht gut geeignet. Auf diesen Böden ist in der Regel die Farbausbeute und das Burgunderbukett ausgeprägter als in schweren Böden."

Reife:
„Der Blaue Spätburgunder reift mittelfrüh bis spät, also kurz vor dem Silvaner."

Ernte:
„Da es beim Spätburgunder darauf ankommt einen ausreichend hohen Alkoholgehalt zu erzielen, sollte die Lese spät erfolgen, also kurz vor dem Riesling, oder sogar während der Rieslinglese. Damit dies möglich ist, müssen die Reben weiträumig gepflanzt werden, um eine Beerenfäule weitgehend zu vermeiden. Eine selektive Lese fördert die Rotweinqualität."

Qualität:
Aus geeigneten Lagen werden in Deutschland, an der nördlichen Grenze des flächendeckenden Weinbaues, die schönsten Rotweine aus der Spätburgundertraube gewonnen. Es ist interessant, daß eines eines der nördlichsten, traditionellen Weinbaugebiete Europas, die Ahr ein Spätburgundergebiet ist. Die Mostgewichte erreichen in Deutschlands nördlichen Gebieten Zuckerwerte von 80 bis 95° Oechsle, an der Mosel, der Saar, dem Rheingau und in Rheinhessen 85 bis 100° Oechsle, und in Baden mindestens 90° Oechsle. Diese Werte können noch etwas erhöht werden, durch verschiedene weinbauliche Maßnahmen, wie einen starken Rückschnitt, sowie die Entfernung von Kurz- und Doppeltrieben. Ebenso sollte man während der Reife bzw. Blauverfärbung der Beeren die „Spätentwickler" wie noch grüne oder nur schwachrötliche Trauben entfernen, sodaß eine bessere Ausfärbung möglich ist.

Wein:
„Vollmundig, samtig, mit einem feinen, an Bittermandeln erinnernden Aroma (Burgunderton); körperreich und alkoholreich. In Deutschland werden die Rotweine ziemlich gerbstoffarm hergestellt. Spätburgunderweine von gehobener Qualität entwickeln sich in Eichenfässern zur Perfektion von Feinheit, Eleganz, Fülle und Größe. Insgesamt werden aus dem Blauen Spätburgunder die besten Rotweine der Welt gewonnen. Auch in Deutschland stehen diese Rotweine oft an der Spitze des Qualitätsspektrums.
Die fruchtigen und spritzigen Spätburgunder-Roseweine und Weißherbste sind sehr beliebt. Sie werden aus „weiß gekelterten" Spätburgundertrauben gewonnen, die nicht auf der Maische vergoren wurden. Diese Weine sind hellrot, frisch, mit etwas mehr Säure, auch rassig und vollmundig."
Der Blaue Spätburgunder als Rotwein ist der ideale Begleiter von Wildgerichten, Kaninchen und vieler Bratenfleischsorten, sehr geeignet ist er auch zum Verfeinern von Soßen. Sehr gut passen zu diesen Weinen auch die vielfältigsten Käsesorten und Weißbrot.

Mutationen:
Aus dem Blauen Spätburgunder haben sich im Laufe der Jahrhunderte zahlreiche Spielarten entwickelt, die einen wichtigen Platz unter den Kulturreben einnehmen. So entstand aus dem Blauen Spätburgunder zuerst der Graue Burgunder und aus diesem wiederum der Weißburgunder. aus dem Weißburgunder entstand durch positive Mutation der Chardonnay, der Auxerrois und die Morillonrebe. Weitere Sorten die aus dem Blauen Spätburgunder hervorgingen sind der Frühburgunder, Sankt Laurent, Müllerrebe (Schwarzriesling); Clevner, Bodenseeburger und Blauer Arbst. Es gibt noch weitere Spielarten, die aber keine wirtschaftliche Bedeutung mehr haben und nur noch von engagierten Winzern in Restbeständen angebaut werden, um sie vor dem völligen Verschwinden zu bewahren. Dazu gehört auch die von uns noch in einigen Exemplaren gepflegte Sorte Belsenrot, eine sehr gute Eß- und Einmachtraube.

Wieder erhältlich: Cuvee Köwerich trocken und halbtrocken Winzerschluck

Die Urlaubssaison, d. h. die Vermietung unserer Ferienwohnungen und Zimmer lief und läuft immer noch sehr gut, gegenüber dem ebenfalls schon guten Vorjahr konnten Steigerungen von 15 bis 20 % erreicht werden. Dies ist natürlich auf das beständige Wetter, aber auch darauf zurückzuführen, daß unsere Heimat als Urlaubsland wieder „in" ist. .

Diese Solidarität von Ihnen zu unseren eigenen Produkten im eigenen Land, seien es nun Wein- oder Ferienangebote, ist vorbildlich, natürlich müssen wir Winzer uns diese Solidarität und das Vertrauen durch ständige Qualitätsanstrengungen stets neu erwerben. Wir haben schon in vergangenen Winzerbriefen mehrmals darauf hingewiesen, daß von dieser Solidarität der Erhalt unserer schönen Weinbaugebiete entscheidend abhängt!

Die 2002er Weine sind nun alle auf Flaschen gefüllt, sie präsentieren sich sehr bekömmlich vom fruchtig-frischen Landwein bis zu edlen Auslesen und feurigen Rotweinen.

Da trotz vergleichsweise etwas früher einsetzender Traubenlese, die Lese zumindest einiger Partien sich je nach Wetter bis Mitte November hinziehen kann, ist die Zeit für unsere vorweihnachtlichen Weinauslieferungen auf wenige Wochen im November und Dezember beschränkt. Um hier besser und kostengünstiger planen zu können, erbitten wir Ihre frühzeitige Bestellung, bzw. Benachrichtigung, ob, bzw. wie viel Wein in etwa geliefert werden soll!
Der Herbst ist bei uns durch die Traubenlese und die damit verbundenen sehr verantwortungsbedürftigen Kellerarbeiten geprägt, sodaß uns dann oft die Zeit fürs Marketing fehlt. Hierfür bitten wir wieder um wohlwollende Nachsicht!

Nun bleibt nur noch zu hoffen, daß die grandiosen Aussichten auf den Jahrgang 2003 weiterhin wachsen und nicht durch langanhaltenden Regen oder gar Hagel geschädigt werden. Also denken Sie an uns, drücken Sie uns die Daumen, im übrigen hat ein kurzes Stoßgebet, im richtigen Moment gesprochen, auch noch nie geschadet.
I
n diesem Sinne, wünschen wir Ihnen und uns alles Gute und verbleiben.

 

 

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Weingut

Scholtes-Welter

 
 
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