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Hallo, liebe Kunden und Weinfreunde!
Wie anders, als mit bei herrlichem Sonnenschein
konnte die Traubenlese 2003 bereits am 28. Oktober zu einem tollen Finale
gebracht werden!
Nach einem trockenen und kalten Februar waren ab Mitte März die
Tage schon angenehm warm und im April waren auch die Nächte schon
sehr mild. An Ostern erstrahlten die Weinberge schon in jungem Grün
und nach fast 12-wöchiger absoluter Trockenheit fiel Ende April
ein ergiebiger Regen, der unter anderem unsere neu gepflanzten Weißburgunderreben
vor dem Vertrocknen bewahrte Anfang Mai wurde es dann wieder trocken
und die Sonne schien wie zuvor von einem makellosen Himmel. Die jungen
Weintriebe wuchsen und wuchsen und die Winzer begannen sehr früh
die Laubarbeiten mit dem sog. Ausbrechen, bei dem überflüssige
und unfruchtbare Triebe ganz entfernt werden. Vom 18, bis zum 20. Mai
gab es einen beständigen Landregen und es bewahrheitete sich für
die weitere Entwicklung der alte Spruch: „Mairegen bringt Segen"!
Nach diesen drei Tagen bekam die Sonne wieder die Überhand und
wir begannen mit dem „ersten Aufbinden" der Reben. Hierbei
werden die täglich bis zu 10 cm wachsenden jungen Triebe in langen
Arbeitstagen an Drähten oder Pfählen befestigt, um bei Wind
ein Abbrechen zu verhindern. Die Tage wurden nun immer heißer,
es gab Gewitter und ein richtiges „Saunaklima". Der Pfingstsonntag
war der extremste Tag. Einem kurzen, heftigen Gewitter um 11 Uhr folgten
Temperaturen von 35 Grad, das nächste Gewitter kam kurz vor 14
Uhr, anschließend fand der Umzug zu unserem „Internationalen
Trachtentreffen" bei schönstem Sonnenschein statt, und am
Abend kam bereits das nächste Gewitter!
Durch dieses Tropenklima trat in vielen windgeschützten und noch
nicht aufgebundenen Weinbergen die sog. Peronospora, eine schlimme Pilzkrankheit
auf, die aufs ganze gesehen etwa 20 % der jungen Träubchen verdorren
ließ. Bei Winzern, die durch etwa auftretenden Arbeitskräftemangel
die Laubarbeiten nicht termingerecht durchführen konnten, lag dieser
Ausfall stellenweise bei bis zu 90 %, sodaß sich eine Lese später
mancherorts kaum noch lohnte! Ab Ende Juni wurde es dann wieder trocken,
es blieb heiß, und die Trauben hatten zu diesem Zeitpunkt ihr
Dickenwachstum bereits abgeschlossen, die Reife konnte beginnen. Mitte
Juli fanden sich bereits die ersten Reifen Beeren, so etwas haben selbst
die ältesten Winzer nie erlebt.
Am Abend des 22. Juli gab es dann wieder ein Gewitter und - oh Schreck
-, stellenweise einen mittleren Hagelschauer, der wiederum einen Teil
der Früchte vernichtete. Die folgende Woche brachte dann Temperaturen
von nur etwa 28 Grad, es war also sehr angenehm, und viele „Hitzegeschädigte"
konnten wieder etwas durchatmen. Was dann aber kam, schlug alle Rekorde!
Von Ende Juli bis Mitte August sanken die Temperaturen nie unter 25
Grad, wohlgemerkt Nachts! Tagsüber stiegen die Werte auf 40 bis
42 Grad im Schatten, wie heiß es an den steilen Südhängen
der Mosel, mit ihrem wärmespeichernden Schieferboden war, hat niemand
gemessen. Erahnen konnte man es aber, als man die Verbrennungen an Blättern
und Trauben sah, nachdem nach Abflauen dieser, im wahrsten Sinne mörderischen
Hitzewelle, ein Arbeiten in den Weinbergen wieder möglich war.
Beim robusten Riesling und bei den Burgundern betrugen die Traubenverluste
ca. 25 %; bei manch anderen Sorten aber auch bei bis zu 50 %; namentlich
bei der sehr empfindlichen Bacchustraube.
Jedem Winzer und Naturbeobachter wurde nun deutlich, warum in Gegenden
mit ständig heißem Sommerklima die Weinqualitäten mitnichten
besser sind, als im etwas gemäßigteren Deutschland. Dies
liegt daran, daß die Rebe gerne warme und auch heiße Temperaturen
von 30 und auch noch 35 Grad hat, darüber hinausgehende Werte sind
aber kontraproduktiv und halten die Reife, genauso wie
Sommertemperaturen unter 20 Grad Celsius zurück. Verstärkend
kommt noch hinzu, daß die Rebe meist bei solcher Hitze auch noch
unter Trockenheit zu leiden hat!
Nun kann auch der letzte deutsche Winzer einen evtl. noch vorhandenen
Minderwertigkeitskomplex gegenüber Winzern „weiter im Süden"
ablegen und mit Recht sagen: Die besten Bedingungen für die Ernte
großer Weine, vor allen Dingen großer Weißweine, herrschen
in dem Gürtel, der sich von Mittelfrankreich, über die deutschen
Weinbaugebiete, Tschechien, Österreich bis nach Ungarn erstreckt'.
In den frühen Morgenstunden des 15. und 16. August versuchten wir
einen besonders trockenen Teilbereich der Köwericher Laurentiuslay
zu bewässern, was zusammen mit dem an den nächsten beiden
Tagen fallenden spärlichen Regen doch einigen Erfolg brachte. Die
Reife unserer jungen Chardonnayreben konnte weiter gehen! Einhergehend
mit diesem leichten Regen trat etwas Abkühlung ein, und anschließend
lagen die Temperaturen bei reifeförderlichen 30 bis 32 Grad. Ende
August fielen wieder leichte Niederschläge, insges. etwa 12 Liter
auf den Quadratmeter. Die erste Septemberwoche war sehr schön und
warm und mit ca. 28 Grad C. der Jahreszeit angepaßt. Anschließend
wurde es dann etwas wechselhaft mit einigem Regen. Ab Mitte des Monats
nahm der Sommer aber noch einmal einen Anlauf und bis Ende September
wurden Temperaturen bis zu 30 Grad gemessen. Da nun auch wieder etwas
Wasser im Boden war, entwickelten sich die verbliebenen Trauben prächtig.
Die Lese der frühreifen Sorten begannen wir am 23. 9., der Zuckergehalt
dieser Trauben lag zwischen 83 ° Öchsle bei Müller - Thurgau,
90 ° bei Bacchus, 95 ° bei Dornfelder und 103° Öchsle
bei der Kernertraube.
Anfang Oktober wurde es dann feucht und auch schon empfindlich kühl,
für kurze Zeit hatten wir Angst vor einem nassen Herbst, der die
sehr guten Trauben verwässern und auch die weiteren Lesearbeiten
erschweren könnte. G!ücklicherweise ging dieser Kelch jedoch
an uns vorbei, es wurde wieder trocken und sonnig, nachts aber schon
ziemlich kühl, bei einem alles austrocknenden Ostwind. Blauer Spätburgunder,
Weißburgunder und Chardonnay brachten ebenfalls sehr hohe Öchslewerte,
die sich zwischen 98 und 112 Grad bewegten. Die Lese der Rieslingtrauben
verlief optimal, sonne und Wind trockneten die Trauben weiter aus und
es wurden, für den Riesling, enorme Öchslegrade erreicht.
Der Durchschnitt lag beim Riesling bei über 90 Grad, bei einzelnen,
hochedlen botrytisbefallenen Partien erreichten wir mehrmals sogar 120
bis über 130° Öchsle! Wer das Aussortieren der durch den
Edelpilz Botrytis cinera eingetrockneten Rosinen weit genug trieb, konnte
in sehr kleinen Mengen auch Werte von 270 bis über 300 Grad Öchsle
erreichen. Dies entspricht einem Frucht- und Traubenzuckergehalt von
600 g/Ltr. und darüber. Könnte dieser Zucker vergären,
ergäbe dies einen Alkoholgehalt von ca. 38 Prozent'. Dies schafft
natürlich die stärkste Hefe nicht und diese Weine bleiben
auch nach der Gärung, die sich über Jahre hinziehen kann,
übersüß, sodaß man sie kaum genießen kann,
weshalb wir von solchen „Spielchen" auch Abstand genommen
haben. Verständnis haben wir aber dafür, daß es zum
Renomee' verschiedener Spitzenweingüter gehört solche Rekordwerte
in der Presse mitteilen zu können.
Am Morgen des 20. Oktober gab es dann in den Tallagen bereits den ersten
leichten Frost, die empfindlichen Weinblätter verwelkten schlagartig
und viele „Allerheiligenblumen" waren dahin. Für einige
Tage konnte man die Qualität der einzelnen Weinlagen am Laub erkennen!
In gewöhnlichen Tallagen sowie an „scheelen" Hängen
war das Laub welk, braun und im Abfallen begriffen, während es
sich im weiterhin warmen Südhang grünlichgold bis goldgelb
präsentierte. Ein etwas schärferer Frost von fast 2 °
Minus brachte auch das Laub der besten Lagen zum Absterben. Diese Fröste
konnten den überreifen Trauben natürlich nichts mehr anhaben,
aufreibend für die Traubenleser war es nur, das welke, abfallende
Laub aus den Lesebehältern fortzuhalten und dadurch unangenehme
Bittertöne im späteren Wein zu vermeiden! Das Herbsten ging
mit dem 28. 10. außerordentlich früh zu Ende, einerseits
durch reifebedingt sehr frühen Lesebeginn, , andererseits durch
die im Vergleich zum Vorjahr um etwa 40 % kleinere Erntemenge.
Es geht ein Herbst zu Ende, der die Krönung eines äußerst
spektakulären Jahres darstellt. Die Voraussetzungen für einen
Jahrhundertwein sind da, ob er sich nun auch wirklich dazu entwickelt,
werden die nächsten Wochen und Monate zeigen. So spannend und lohnend
wie heuer den jungen Wein zu kosten, war es schon lange nicht mehr.
uns kommen Jugenderinnerungen an den grandiosen 76er, der damals ausgiebigst
von uns in den verschiedenen Kellern probiert wurde und uns unvergessene
Stunden bereitete. Schön zu sehen ist, daß. die heutige Jugend
diese Tradition aufnimmt und in Keller und Weinstube diesem Federweißen
und tollen Jungwein zuspricht. Der Nachwuchs erfährt am eigenen
Leibe die positiven Wirkungen des Weines, wie sie bereits von dem berühmten
Moselarzt Dr. Franz Meurer, in der blumigen Sprache des 19. Jahrhunderts
beschrieben wurde:
„In der psychischen Lebens-Sphäre zeigt sich als bald die
Wirkung des Weines in einem allgemeinen Behaglichkeits- und Seligkeitsgefühle:
der Ermüdete und Mühsehlige fühlt sich gestärkt
und neubelebt; ein behagliches Wärmegefühl ergießt sich
vom Magen aus durch den ganzen Körper; die Phantasie wird lebhafter;
das Gefühl regsamer und zärtlicher; und die Funktionen der
höheren Seelentätigkeiten beschleunigter: der Trübsinnige
wird heiter, der Furchtsame mutig, der Sorgenvolle und Betrübte
freudig und fröhlich, der Bedächtige leichtsinnig, der Menschenhasser
wird Philantrop; der Schweigsame und Verschlossene wird redselig und
offen, und von seinen Lippen gleiten oft in rhetorischem Schwunge die
gemütlichen und geflügelten Worte; das Herz öffnet sich
den sanfteren Gefühlen
der Freundschaft, der Liebe und Brüderlichkeit; und der Abgestumpfte
macht sprudelnde Witze; der Greis wird jugendlich munter und der Phlegmatiker
beweglich. Wegen der geschilderten Wirkungen dient der Wein allgemein
zur Aufheiterung und Erhöhung des geselligen Vergnügens und
ist die Würze des geselligen Lebens."
Natürlich muß man darauf achten, daß die Jugend hier
das richtige Maß einhält, dies geht jedoch nicht durch Verbote,
sondern durch überzeugendes Vorbild. Jedenfalls gibt es an der
Mosel nicht mehr Alkoholiker als in anderen Landstrichen, vielleicht
sogar weniger!
Momentan haben wir es morgens mit dichten Nebelfeldern zu tun, deshalb
wird dann in Keller oder Büro gearbeitet, nachmittags beginnen
wir bei Sonnenschein bereits mit dem Zurückschneiden der Weinberge.
Hierbei ist dann fast die ganze Familie, soweit es die Schule zuläßt
auch die Jugend im Einsatz, und vieles kann hier besprochen und ausgetauscht
werden unter den 3 aktiven Generationen.
Ansonsten geht es nun bald mit dem Weihnachtsgeschäft los, und
einige Liefertouren und Weinproben sind schon geplant. Die Resonanz
auf unseren letzten Winzerbrief war gut und es sind bereits viele Bestellungen
eingegangen. Wenn weiterer Weinbedarf besteht, bitten wir Sie, uns dies
möglichst bald mitzuteilen, denn die Liefertouren lassen sich dann
wesentlich besser planen. Bei dieser Gelegenheit nehmen wir, wie gewohnt,
weiterhin gerne die leeren Flaschen zum Spülen wieder mit zurück.
An dieser Stelle auch wieder auf vielfachen Wunsch die Termine der Köwericher
Theatertage, bei denen Ihr Winzer bereits seit über 25 Jahren eine
Hauptrolle spielt: 13.3. & 14.3.04, 20. & 21.3.04, 27. &
28.3.04, und 3. 4.2004.
Stichwort Weinbergsbewässerung
In diesem extremen Sommer erteilten die zuständigen Behörden
den Winzern eine Ausnahmegenehmigung zum Bewässern einiger besonders
von der Trockenheit betroffener, felsiger, aber hochwertiger Lagen.
Hiervon machten etliche Winzer Gebrauch, wir, wie umseitig bereits erwähnt
auch. Wir entnahmen das Wasser dazu unserem privaten Brunnen. Mangels
anderer Möglichkeiten entnahmen die meisten Winzer das benötigte
kostbare Naß jedoch der Mosel, so, wie die früher viel in
unmittelbarer Moselnähe gelegenen Gemüsegärten auch mit
dem Wasser unseres Flusses bewässert wurden.
Diese Winzer bekamen nun hochnotpeinliche Post vom Staatlichen Wasserwirtschaftsamt,
weil sie W Wasser aus der Mosel entwendet und das Ufer unrechtmäßig
betreten hätten. Angedroht wurden empfindliche Geldbußen.
Unter dem Schlagwort: „Moselwinzer sind sauer" machten die
Tagesthemen des ARD an einem der letzten Oktobertage auf.
Wir meinen:
Gut, endlich zu wissen, wem das Wasser in der Mosel gehört, sicherlich
werden sich die betreffenden Winzer daran erinnern, wenn dieses Eigentum
des Staatlichen Wasserwirtschaftsamtes wieder einmal widerrechtlich
das Ufer übertritt und Grundstücke, Keller und Wohnungen überschwemmt
und hierbei enorme Schäden anrichtet.
Wie in den vergangenen Jahren auch, werden wir viele von Ihnen ja in
den nächsten Wochen bei einer unserer Liefertouren sehen, manche
auch zu einer gemütlichen und informativen Weinprobe bei sich zu
Hause. Allen anderen wünschen wir jetzt schon ein frohes Weihnachtsfest
und alles Gute, Gesundheit und Erfolg im Neuen Jahr, 2004!
M it diesen Worten möchten wir schließen, hoffen, diese kleine
Lektüre hat Ihnen Freude bereitet, weiterhin hoffen wir auf zukünftig
auch guten Kontakt zwischen Ihnen und Klüsserath und verbleiben
anders, als mit bei herrlichem Sonnenschein konnte die Traubenlese 2003
bereits am 28. Oktober zu einem tollen Finale gebracht werden!
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