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KLÜSSERATHER WINZERBRIEF 2004-I

 

 

Hallo, liebe Kunden und Weinfreunde!


Mit dem Jahrgang 2003 reift wahrscheinlich der beste Riesling- und Burgunderjahrgang seit 1921 in den Kellern der Mosel heran! Mit diesem Superlativ möchten wir den ersten Winzerbrief dieses Jahres beginnen.
Er präsentiert sich in allen Geschmacksrichtungen sehr harmonisch, die Fruchtsäure ist beim Riesling sehr reif und bei den meisten Partien durchaus auch ausreichend vorhanden. Jedenfalls hätte der Moselriesling die Klimmzüge in puncto Säurezusatz, die die Franzosen uns (und vor, allem sich selbst) ermöglicht haben nicht unbedingt gebraucht!
HINTERGRUND: Durch den heißen und trockenen Sommer brachen zwar erst einmal viele Öchslerekorde. Doch Öchsle (Zucker, nach der Gärung Alkohol) allein macht noch keinen guten Wein. Vielen Tropfen fehlt die Frische, das heißt die fruchtige und belebende Weinsäure als Balance zu Alkohol und Zucker, ohne die jeder Weißwein lasch und pappig schmeckt! Anfang September 2003 genehmigten dann im vorauseilenden Gehorsam die zuständigen EU-Behörden auf Betreiben Frankreichs den Zusatz von Weinsäure in einer Menge von bis zu 4 Gramm pro Liter.
Dies ist eine eindeutige Wettbewerbsverzerrung zulasten des Rieslings, der 2003 fast ideale Säurewerte aufweist. An dieser Stelle hätte solch egoistischen Manipulationen von verbraucherfreundlichen Stellen eigentlich entgegengetreten werden müssen!
Bei unseren Weinen jedenfalls gehen Sie sicher, daß nichts aus der Retorte zugesetzt wird. Letztlich handelt es sich bei diesen Zusätzen nämlich meistens um die Reparatur von Geschmacksfehlern bzw. unausgewogener Zusammensetzung des Weines, die durch unsachgemäßen Weinanbau und lieblose Kellertechnik entstanden sind. Hier nun eine Auflistung aus dem traurigen Arsenal der heute leider auch in Europa und sogar in Deutschland üblichen ,,Weinbehandlungsmittel". Das Übel kommt jedoch aus Übersee, wo Wein, mit wenigen löblichen Ausnahmen, schon immer ein industriell hergestelltes Massengut war.
Enzyme : Sollen die Filtration erleichtern (teils genmanipuliert)
Gelatine : Soll Bitterstoffe entfernen
Hausenblase : Soll Bittertöne und Adstringenz entfernen
Aktivkohle : Soll Mufftöne mindern
Kalk : Soll überschüssige Säure entfernen
Gelbes Blutlaugensalz : Entfernt überschüssiges Eisen
Eiweiß : Soll den Wein „abrunden"
Bentonit : Entfernt überschüssiges EiweiB
Kupfer : Soll Böckser (Fehltöne) entfernen
Gummiarabicum : Soll dem Wein „Schmelz" geben
Kohlensäure : Soll dem Wein jugendliche Frische geben
Metaweinsäure : Zur Verhinderung von Weinsteinausfall
Weinsäure : Zur Verbesserung müder, säurearmer Weißweine
Zitronensäure : Zur Verbesserung brandiger, säurearmer Rotweine

Auf alle diese Mittel kann ein sorgfältig arbeitender Winzer, der seinen Weinen. Zeit zum Reifen läßt und der die natürlichen Zusammenhänge kennt und beachtet, getrost verzichten. Diese unvollständige Zusammenfassung sei aber einmal hier angeführt, damit jeder weiß, worauf man sich bei Weinen anonymer Herkunft einläßt. Eine vollkommene Ehrenrettung beschert den hiermit arbeitenden Weinmachern auch nicht die Tatsache, dass viele dieser Mittelchen auch bei den meisten anderen industriell hergestellten Getränken verwandt werden. Von einem Getränk das den Namen „Wein" verdient sollte man allerdings ein Mehr an Natur erwarten können. Ansonsten trifft die etwas bissige Aussage eines uns befreundeten Winzers zu, daß es sich bei diesen, leider manchmal sogar hoch prämierten Gewächsen, eigentlich nicht mehr um richtigen Wein, sondern um „Drikks“handelt!

Die ersten Partien des 2003er wurden im Laufe des Aprils auf Flaschen gefüllt. Hierbei handelt es sich hauptsächlich um unsere feurigen und langlebigen Rotweine, sowie um den Ersatz einiger ausverkaufter 2002er Weißweinpartien durch den neuen Jahrgang.

STICHWORT: Süße und Säure
In Jahren mit optimalem Reifeverlauf entstehen oft Weine, die vor ihrer Vergärung einen Zuckergehalt von 200 bis 250 Gramm pro Liter aufweisen. Dies entspricht Öchslewerten von 100 bis 125 Grad. Die Grenze dessen, was die Hefe zu Alkohol vergären kann, liegt bei etwa 100 bis 110 Grad Öchsle. Die darüber hinausgehenden Zuckerwerte können auch von der gärkräftigsten Hefe kaum vergoren werden, und wenn, dann ist das Ergebnis oft ein unharmonisch brandliger Wein, der dann auch sehr schnell altert. Dies bedeutet, dass die meisten 2003er Weißweine aus den Spitzensüdhängen des Moseltales eine natürliche Restsüße behalten haben. Aber kosten Sie einmal diese Weine! Auf der Zunge bietet sich Ihnen ein einmaliger Eindruck vieler tropischer Früchte, das Aroma quillt fast über! Man kann die Süße dieser Weine kaum vergleichen mit den in der Gärung abgestoppten lieblichen Weinen normaler Jahre und schon gar nicht mit den Billiggewächsen, die mittels Traubensaftzugabe ihre Süße erhalten.
Es gibt aber auch beim Weißwein beachtliche Teile an trockenen Weinen des neuen Jahrganges. Sie stammen aber meist nicht aus den heißen, unteren Lagen des Moseltales, sondern sie wurden entgegen der Regel in den etwas kühleren, höheren Lagen gelesen, oder in Südost- bis Südwestlagen die an kleinen Nebenflüssen der Mosel einige km in die kühlere Eifel oder den Hunsrück hineinragen. Dort also, wo sonst oft nur eine 2. Qualität wächst, konnten 2003 oft die besten trockenen Rieslinge gelesen werden. Flachlagen, mit ihrem meist kiesigen Untergrund schieden zur Erzielung überdurchschnittlicher Weine fast ganz aus, weil die Reben hier aufgrund von Verdichtungen nicht sehr tief wurzeln können und daher sehr unter der Trockenheit litten.
Nach dem heißen Jahr hielt die Trockenheit bis Ende Dezember an, es gab zwar einige Regentage, meist handelte es sich aber um unproduktiven Sprühregen. Nach Weihnachten wurde es dann kalt, in der Silvesternacht froren wir bitterlich und es zeigte sich auch etwas Schnee. Anfang Januar setzte dann aber rasch Tauwetter ein, es gab zwei bis drei Tage ziernlich ergiebigen Regen, der aber von dem knochentrockenen und harten Bodem kaum aufgenommen wurde. Das Ergebnis war, daß das meiste Wasser nicht versickerte und den arg gesunkenen Grundwasserspiegel aufbesserte, sondern dass die Mosel rasch ,,dicke Backen" machte, und es sogar zu einem kleinen Hochwasser kam. Dies fiel allerdings so mickrig aus, dass es die hochwassererprobten Moselaner kaum beeindrucken konnte. Es wurde dann wieder trokken und fast warm, Ende Januar zeigten sich am Aprikosenbaum bereits einige rosa Blüten. Die erfroren dann aber rasch, weil der Februar ziemlich kalt daherkam. Ende Februar fiel dann wieder ein wenig Regen und Anfang März manchmal nachts auch etwas Schnee, der sich aufgrund der bereits kräftigen Sonne aber nie über Tag halten konnte. Das Schneiden und Binden, also die Winterarbeit ging aufgrund der trockenen Witterung flott vonstatten und konnte rechtzeitig vor Vegetationsbeginn beendet werden. Der weitere Verlauf des Monats März war ziemlich kühl., gegen Ende wurde es dann aber wärmer, es fiel außer etwas Schnee am Anfang in diesem ganzen Monat kein Niederschlag. Der April war bis jetzt heiter und ziemlich warm, in einer Nacht gab es auch einmal ein Gewitter mit fast 20 Liter pro qm Regen, die dem Pflanzenwuchs recht gut taten. Wir Winzer hoffen nun, daß das Jahr nicht ganz so heiß und trocken ausfällt wie das vorige, weil, im Gegensatz zum Vorjahr keine Winterfeuchtigkeit vorhanden ist und die. Wasserreserven arg angegriffen sind. Auf der anderen Seite bleibt zu hoffen, daß der fehlende Regen der Vergangenen 15 Monate nicht alle zusammen in einer langanhaltenden „Regenzeit" fällt, denn dies würde jetzt im Frühjahr ein enormes Hochwasser, und im Sommer oder Herbst eine geringe Weinqualität bedeuten Was die Rebe liebt, ist natürlich die Sonne, und im späten Frühjahr und im Sommer alle 8 Tage einen ergiebigen, möglichst nächtlichen Regen. So wünscht es sich der Winzer, aber wie wird es kommen? -Warten wir's ab!
In diesem Jahr wurde auch wieder eine Neupflanzung vorgenommen und zwar mit der Sorte Grauer Burgunder, französ. „Pinot gris" und ital. „Pinot grigio" genannt. Diese Sorte rundet dann ab der Lese 2006 unsere Angebotspalette der Burgunderweine weiter ab, als da bis jetzt wären: Blauer Spätburgunder, Weißburgunder und Chardonnay.

Hier nun wieder einige wichtige Daten aus Betrieb und Dorf:
0l. 0l. : Wir sind im Internet vertreten! Endlich! Vielen Dank, Stefan und Claudia!
13.-15. 01. : Mosel-Weinbautage in Bernkastel-Kues, interessante Themen.
15. 01. : Zum Abschluß der zuvor genannten Weinbautage hochinteressante Probe der Jungweine. Nachhausefahrt nicht mehr möglich, geschweige denn erlaubt!
14.-15.02. : Teilnahme am Seminar „Die Weinsensorik" der deutschen Wein- und Sommelierschule in Koblenz.
18.-21.02. : Umstellung weiterer alter Pfahlanlagen auf arbeitssparende und qualitätsfördernde Drahtanlagen.
24. -26.02 : Abdecken der vor zwei Jahren gepflanzten Dornfelderparzellen mit Stallmist. Diesen Mist erhalten wir als Pacht für an einen Kliisserather Landwirt verpachtete Äcker und Wiesen.
27.02. : Interne Vorprobe der Jungweine durch die „Vereinigten Weingüter der Klüsserather Bruderschaft". Nach über 80 Proben waren „alle voll des guten Weines"!
12. & 27. 03 : Abdecken der im Jahre 2001 gepflanzten Blauen Spätburgunderreben mit Kompost. Neben der Düngung wird, durch die ganzflächige Abdeckung des Bodens, genau wie beim Stallmist, die Verdunstung des knappen Bodenwassers deutlich reduziert!
Das Einbringen des Kompostes (über 60 t) erfolgte erstmals mit einem von einer Finna ausgeliehenen hypermoderen Steillagen-Mechanisierungssystem-Gerät (SMS).
13. 03. - 02. 04.: Sieben Aufführungen des Lustspieles Geld? - homma kännt!; des Theatervereins Köwerich. Ihr Winzer als beutel schneiderischcr und fieser Weinhändler (nicht Winzer) auf der Bühne!
08. & 16. 04. : Abfüllung des gesamten 03er Rotweines und einiger Weißweinpartien, insgesamt über 18.000 Flaschen.
22. 04. : Auf dem Trierer Petrisberg eröffnet die Landesgartenschau Rheinland-Pfalz! Diesen Blüten- und Naturgenuß sollte man sich nicht entgehen lassen! Dic Schau dauert bis zum 24.10. Noch sind Zimmer und Ferienwohnungen zu haben.
11.01. : Eröffnung der Feierlichkeiten aus Anlaß der ersten urkundlichen Erwähnung unseres Nachbarortes und (Roland's) Geburtsortes Köwerich in der Pfarrkirche St. Kunibert.
Weitere Termine im Zusammenhang mit der 1300 Jalnfeier von Köwerich:
22. & 23.05. : Feier im Festzelt beim Jugendheim, unter Mitwirkung des Theatervereins Köwerich.
25.07. : Darstellung eines historischen Moseldorfes rund um die Köwericher Kirche. Hier werden eine Vielzahl alter Dorf-, Handwerks- und Weinbautraditionen in originaler Kleidung zu bewundern sein.
10.10. : 18 Uhr, Beethovenkonzert
12.12. : Abschlussfeier im Jugendheim Köwerich unter Mitgestaltung unseres Theatervereines. Hier werden in Sketchform einige lustige Begebenheiten der letzten 200 Jahre aus dem Köwericher Dorfleben dargeboten.
Kurze Köwericher Historie:
Köwerich darf sich zu den uralten Weinorten an der Mosel zählen, deren Siedlungskontinuität durch Archäologische Bodenfunde und frühmittelalterliche Quellen belegt ist.
704 schenkt Irmina, Äbtissin des bis heute nach ihr benannten Frauenklosters St. Irminen in Trier, dem Missionshof und Echternacher Klostergründer Willibrord ererbte Besitzanteile in"Villa Cabriaco" und 710 Irmina's Nachfolgerin zwei Weinberge in „monte Cabracens super Moselle".
Die durch diese Besitzschenkung entstandene Verbindung zur Abtei im heutigen Großherzogtum Luxemburg, wurde erst durch den Verkauf des Echternacher Hofes im Zuge der Säkularisation unter Napoleon im Jahre 1815 gelöst.
Mit Köwerich verbindet die Dorftradition den Namen des großen Komponisten Ludwig van Beethoven, denn der Vater seiner von ihm sehr verehrten Mutter - Maria Magdalena Köwerich stammte aus gleichnamigen Ort. Auf einem alten Köwericher Weinetikett ist folgender schöner Spruch zu lesen:
Als Beethoven die Neunte schafft,
da gab ihm Feuer, Labung, Kraft
ein Moselwein absonderlich
von Köwerich aus Köwerich.
„Wie kommt Ihr zu dem Wein?" gefragt,
der Meister tief versonnen sagt:
„Den Wein des Namens liebe. ich.,
meine Mutter hieß Maria Magdalena Köwerich."

Der Wein prägt auch heute diesen Ort und die umgebende Landschaft. In der bekannten, aus Schieferverwitterungsboden bestehenden Südlage „Köwericher Laurentiuslay" wachsen Rieslinge von höchster Qualität. Kein Wunder, denn vor 1300 Jahren hat man schon gewusst, wo die besten Weinlagen sind. Heute zählt Köwerich etwa 360 Einwohner, ist selbständige Gemeinde und freut sich über ein reges Dorf- und Vereinsleben.
Unsere noch bis zum Sommer gültige Preisliste legen wir diesem Schreiben bei. Die 2003er Weine finden Sie hierin noch nicht, sie werden aber geliefert, sobald sie abgefüllt sind., bzw. die entsprechenden Älteren Weine ausverkauft sind.
In den nächsten Wochen sind wieder einige Auslieferungstouren in unseren Hauptkundengebieten geplant, bitte tielen Sie uns ihre Bestellung rechtzeitig mit. Sichern Sie sich frühzeitig einen Vorrat dises grandiosen und leider etwas knappen Jahrhundertweines! Bei der Lieferung nehmen wir nach wie vor Ihre leeren Flaschen gerne zum Spülen und wiederbefüllen zurück!
Einige Weinproben bei Kunden sind schon wieder geplant. Wer noch Interesse diesbezüglich in den Nächsten Monaten hat, möge sich bitte rechtzeitig mit uns absprechen!

„Mit den Weintrinkern ist es wie mit den Ähren auf dem Felde bei zu viel Nässe und Feuchtigkeit liegen sie darnieder
und können sich nicht erheben. Beim richtigen Maß an Feuchtigkeit jedoch, wachsen sie kräftig empor und werden von Wind und Sturm nicht gebrochen!" Sokrates
In diesem Sinne wünschen wir Ihnen alles Gute, viel F7reude und schöne Stunden mit unseren Weinen, bleiben Sie uns bitte gewogen, denn davon leben wir und wir verbleiben

 

 

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Weingut

Scholtes-Welter

 
 
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