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Liebe Weinfreunde!
Finessenreiche Rieslinge und hochwertigste Burgunder
bei reduzierten Erträgen und später Lese, gewöhnliche
Massenweine bei früher Lese und vollen Erträgen! Diese enormen
Unterschiede charakterisieren den Jahrgang 2004! Bei den trockenen Rieslingen
erweist sich dieser Jahrgang als famos und übertrifft auf die Dauer
wahrscheinlich sogar den berühmten 2003er.
AUSSERGEWÖHNLICH
Die beiden renommierten französischen Weinjournalisten Michel Bettane
und Thierry Desseauve, die in Frankreich einen Stellenwert haben wie
in Deutschland der legendäre Weinführer Gault Millau , haben
einen Riesling von der Mosel zum besten Auslandswein des Jahres 2005
gekürt. Sie schreiben dazu unter anderem: „Unter vielen außergewöhnlichen
Weinen haben wir uns für eine wunderschöne Interprätation
eines großen europäischen Terroirs und einer großen
Rebsorte entschieden. Bleibt zu hoffen", so die Franzosen weiter,
„dass dies dazu beiträgt, die großen deutschen Rieslingweine
bekannter zu machen - zweifellos die am meisten unterschätzten
Weine unseres Planeten!" In der weiteren Laudatio heißt es
sinngemäß: „Der Wein stammt von einem Weinberg mit
70 % Steigung, er kommt von der besten weißen Rebsorte, dem Riesling,
der nun seine wahre weltweite Anerkennung findet. Die Reben wachsen
auf unvergleichlichem Schieferboden, auf dem diese Rebsorte ihre maximale
Finesse erreicht.
Der Winter 2005 zeigte sich zuerst mild und brachte
nur mäßigen Regen und der Rebschnitt lief während des
gesamten Dezembers und Januars problemlos. Ab Ende Januar wurde es dann
kälter und ganz trocken und Ende Februar, wenn sonst an der Mosel
bereits die ersten Bäume blühen, wurde es dann richtig kalt.
Nachts wurden Temperaturen von minus 9 bis 10 Grad gemessen! Es fiel
fast in jeder Nacht etwas Schnee, der dann tagsüber, aufgrund der
schon höher stehenden Sonne, weitgehend wegschmolz. An schattigen
Nordhängen zeigte sich die weiße Pracht fast bis in die Mitte
des Monats März hinein! Dann wurde es für 3 Wochen richtig
warm und alles begann zu wachsen und zu blühen. Um den 10. April
herum regnete es kräftig und es wurde kühler. Mitte des Monats
wurde es wieder wärmer und die Weinreben zeigten in den guten Lagen
zaghaft erste Blättchen, in den anderen Lagen waren die „Botten"
(moselfränk. für Augen) noch in der Wolle. Beides sind Wachstumsstadien,
in denen die Rebe absolut keinen Frost mehr verträgt, auch nicht
den kleinsten Nachtfrost! Die starken Fröste im Vorfrühling,
als die Weinstöcke noch in der Winterruhe waren, hatten Gott sei
Dank keine Schäden angerichtet! Tendenziell sind beim Austrieb
der Weinberge die Burgunderstöcke, vor allem der Chardonnay, etwas
früher dran, was die Frostgefährdung verstärkt. Der Riesling,
der ja sehr viel Wärme braucht, treibt etwas später aus, und
wird deshalb von Spätfrösten weniger häufig heimgesucht.
Ende April, Anfang Mai gab es dann die ersten fast schon heiß
zu nennenden Tage. Die Zeit der Eisheiligen Servatius, Pankratius, Bonifatius
und die kalte Sophie vom 12. bis 15. Mai lief glimpflich ab, allerdings
sanken
in einigen Nächten die Temperaturen auf nur plus 3 bis 4 Grad ab.
Danach wurde es warm und feucht, sodaß der Wein und sämtliches
Obst gut steht. Aktuell, am 23. Mai genießen wir die ersten reifen
Erdbeeren und zeigen sich die ersten roten Bäckchen an den Kirschen!
Ist im Mai die Spätfrostgefahr dann vorüber und sind bei warmer
Witterung die jungen Triebe schon gut gewachsen, sieht sich der Weinbau
einer anderen Gefahr gegenüber: den im 19. Jahrhundert aus Nordamerika
nach Europa eingeschleppten Pilzkrankheiten.
Diese „Plagen des modernen Weinbaues," wurden vom Holz amerikanischer
Wildreben auf europäische Edelsorten übertragen.
An dieser Stelle sollen die beiden übelsten Vertreter dieser Pilzkrankheiten
vorgestellt werden!
Die PERONOSPORA
Sie ist die schlimmste Pilzkrankheit der Europäerrebe. Sie wurde
1878 von Nordamerika nach Südfrankreich eingeschleppt und verbreitete
sich von dort innerhalb weniger Jahre über alle europäischen
Weinbaugebiete. Ohne hinreichende Bekämpfung schädigt sie
den Traubenbehang oft total und führt auf Dauer sogar zum Eingehen
der Rebstöcke. Die Ansteckung durch die Peronospora macht sich
am Laub zunächst als durchscheinende sog. Ölflecken bemerkbar.
Bald darauf erscheinen auf der Unterseite der Blätter glänzend
weiße Pilzrasen. In gleicher Weise wie die Blätter können
auch die Fruchtansätze angegriffen werden. Befallene Träubchen
verfärben sich gelblich und krümmen sich auffallend. Später
werden sie braun und verdorren. Wenn die Beeren Anfang Juli etwa Erbsengröße
erreicht haben, wird der Pilz äußerlich nicht mehr sichtbar.
Die Beeren verfärben sich aber bläulich, später braun
und schrumpfen ein. Es entstehen sog. Lederbeeren, die zum Genuß
und zur Weinbereitung unbrauchbar sind.
Die Infektionsgefahr ist am größten bei Temperaturen zwischen
23 und 27 Grad. Hier genügen dann 5 Stunden tropfbar flüssiges
Wasser auf den Reben und der Pilz entsteht! Bei Temperaturen darüber
oder darunter kann die Feuchtezeit länger sein bis der Pilz auftritt.
Liegen die Temperaturen über 35 oder unter 15 Grad, kann kein Pilz
auftreten. Ab etwa Ende Juli sind die Trauben dann so weit entwickelt,
dass eine Infektion nicht mehr zu befürchten ist.
Nach etlichen totalen Ernteausfällen in den 1880er Jahren begannen
die Winzer in ihrer Not mit einer primitiven Kupferspritzung, weil man
festgestellt hatte, daß Kupfer diesem Pilz entgegenwirkt. In der
Praxis sah das so aus, dass man Kupfer in einem Eimer mit Wasser auflöste
und mittels eines Besens die Weinreben besprengte! Die nach solchen
primitiven Spritzungen wieder möglichen kleinen Ernten würde
man heute meist als Missernten bezeichnen, aber der Ausfall war immerhin
nicht mehr total. Heute gibt es natürlich längst wirksamere
Spritzmittel, die auch im Gegensatz zum Kupfer keine Rückstände
hinterlassen! Auch kann man durch intensive Laubarbeiten zwischen Mai
und Juli das Abtrocknen der Weinstöcke nach Tau und Regen befördern,
dadurch das Krankheitsrisiko deutlich senken und Spritzungen einsparen!
Das OIDIUM
Diese auch als Mehltau bezeichnete Krankheit wurde von Amerika zuerst
nach England eingeschleppt und dort 1845 in einem Gewächshaus entdeckt.
Von 1850 ab verbreitete sie sich über die europäischen Weinbauländer.
Bereits in den Jahren 1852-54 entstanden in Frankreich katastrophale
Schäden. Erst als im Schwefel ein wirksames Bekämpfungsmittel
gefunden war, konnte der Krankheit einhalt geboten werden. Das Krankheitsbild
sieht so aus, dass sich bald nach dem Austrieb Rebtriebe finden, die
im Wachstum zurückbleiben, deren Blättchen gekräuselt
erscheinen und die ganz oder teilweise wie mit einem grauweißen
Staub bedeckt sind. Von Juni ab zeigt sich dieser grauweiße Anflug
auf den Blättern häufiger. Auch ganze Trauben und die Triebspitzen
können wie mit Asche oder Mehl bestäubt aussehen. Frühzeitig
angesteckte Beeren verdorren, etwa erbsengroße Beeren platzen
auf (Samenbruch) und werden von Sekundärpilzen zerstört oder
verdorren bei trockenem Wetter. Befallenes Traubengut muß aussortiert
werden, wenn der Wein keinen Schimmelgeschmack annehmen soll!
Im Gegensatz zur Peronospora braucht das Oidium kaum Feuchtigkeit zu
seinem Entstehen. Während Hochdruckwetterlagen mit großen
Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nacht ist ein Auftreten des
Mehltaus stets zu befürchten.
Wie anfangs bereits erwähnt, wurden diese
Krankheiten aus Nordamerika eingeschleppt. Dort gab es zwar keinen Weinbau,
aber viele wild wachsende Reben. Da diese Reben mit besagten Pilzen
schon immer in Kontakt waren, sind sie gegen die beschriebenen Krankheiten
weitgehend immun. Im Ersatz der maroden, pilzgeschädigten Europäerreben
durch diese Amerikanerreben sah man eine Zeit lang das Allheilmittel
gegen diese Winzergeißeln. Die schönsten Wildreben wurden
kultiviert und herrlich süße Weintrauben versprachen köstliche
Qualitäten. Große Enttäuschung machte sich jedoch breit,
beim Verkosten dieser „Wildweine"! Bis heute ist es nicht
gelungen, diesen Sorten den üblen, sog. Fuchsgeschmack abzuzüchten.
Man war also gezwungen mit den alten europäischen Sorten weiterzuarbeiten
und effektive Mittel gegen diese Pilze zu erforschen.
Als Lieferant von Tafeltrauben sind diese Amerikanerreben jedoch sehr
gut im Geschmack und von großem Vorteil deshalb, weil auf Spritzungen
gegen Pilzkrankheiten natürlich weitgehend verzichtet werden kann
und es folglich kaum Rückstände auf den Trauben gibt. Diese
Rückstände gibt es im Wein aus zwei Gründen auch
(so gut wie) nicht:
1. Die heute noch zugelassenen Mittel bauen sich so rasch ab, dass bei
einer Lese ab Oktober schon über zwei Monate seit der letzten Behandlung
vergangen sind, also auch europäische Trauben können im Herbst
unbedenklich genascht werden!
2. „Im Wein gibt es aufgrund der Selbstreinigung durch die Gärung
keinerlei Rückstände!" So jedenfalls lernten wir es Ende
der 70er Jahre noch auf der Weinbauschule in Trier. Diese Behauptung
ist heute aufgrund verfeinerter Meßmethoden nicht mehr aufrechtzuerhalten.
Heute finden sich auch im Wein Rückstände, allerdings weniger
als ein tausendstel der Menge, die man in einem bekanntlich streng geprüften
deutschen Trinkwasser findet. Ein Fachmann hat uns das folgendermaßen
erklärt: die Meßmethoden waren Ende der 70er Jahre so weit,
daß man ein Stück Würfelzucker, aufgelöst in einem
normalen Freibad, nachweisen konnte. Heute kann man die gleiche Menge
Zucker aufgelöst im Bodensee nachweisen!!!
Von daher gesehen, bleibt der Wein also, in Maßen
genossen, für den erwachsenen Menschen das gesündeste Getränk!
Als weitere tragische Konsequenz aus dem Experimentieren
mit diesen Amerikanerreben war das A Auftreten eines weiteren schlimmen
Schädlings zu beklagen, nämlich der REBLAUS.
Über diesen Schädling mit dem
putzigen Namen und seine heute mögliche Überlistung werden
wir in einem der folgenden Winzerbriefe berichten.
Unsere noch bis zum Sommer gültige Preisliste
legen wir diesem Schreiben bei. Die 2004er Weine sind dort noch nicht
vertreten, werden aber, wenn entsprechende ältere Jahrgänge
ausverkauft sind, so schnell wie möglich geliefert! In den letzten
Wochen fanden wieder einige Auslieferungstouren statt, weitere sind
geplant. Bitte teilen Sie uns Ihren Weinbedarf rechtzeitig mit. Bei
Ihnen zuhause geplante Weinproben bitten wir möglichst bald mit
uns abzusprechen!
Leergut wird nach wie vor gerne zurückgenommen, von uns gespült
und wieder verwendet!
Ab ca. Juli neu im Angebot:
Burgundertrester (im Holzfaß gereift)
Feigenbrannt
Aprikosenbrannt
BlauerSpätburgunder GRAULAY trocken
Dieser neue „Rote" ist in einer für Rotwein besonders
wertvollen Lage gereift und wurde über Monate in kleinen Barriquefässern
gelagert.
Wir hoffen , Ihnen mit diesen Zeilen eine interessante
Lektüre geboten zu haben, wir wünschen weiterhin viel Freude
mit unseren Weinen und verbleiben
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