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Hallo. liebe Kunden und Weinfreunde
DEUTSCHALD ZWEIGETEILT ???
Mit dieser provokanten Frage wollen wir nicht
auf die aktuelle Diskussion über Unterschiede zwischen Nord nnd
Süd oder Ost und West eingehen!
Uns geht es darum, den Ruf des kommenden, großen Jahrgangs 2005
zurechtzurücken. Bei unseren Liefertouren in weiter vom Weinbau
entfernte Gebiete werden wir immer wieder mit skeptischem Unterton gefragt.
wie denn der Wein nach so einem schlechten Sommer geraten könne!
Dazu möchten wir feststellen: An der Mosel war der Sommer 2005
mit Ausnahme von 2 - 3 Wochen im August sehr warm. Außerdem wurde
jeder Tropfen Regen dringend gebraucht! Mancher vergisst. daß
die großen Gebirgsblöcke von Eifel, Westerwald und Ardennen
uns sehr viele Wolken und Regen abhalten und der Mosel im Sommer ein
eher trocken-warm bis heißes Klima bescheren. Jedenfalls liegen
die Öchslegrade bei den amtlichen Reifemessungen nur wenig unter
den Werten des „Supersonnenjahres"2003! Die Säurewerte
liegen sogar etwas günstiger, d. h. höher. Klimmzüge
wie 2003, als viele Betriebe sich genötigt sahen Weinsäure
zuzusetzen, werden deshalb hoffentlich in diesem Jahr nicht nötig
sein (siehe Winzerbrief III / 2003) ! Der seit Ende August durchgehend
anhaltende Sonnenschein steigert die Herbstaussichten der Winzer von
Tag zu Tag noch weiter. bei der momentanen Wetterlage werden in unseren
Weinbergen täglich 700 bis 800 kg Fruchtzucker gebildet!
Die Qualitätsaussichten sind also sehr gut, mengenmäßig
gibt es wohl wesentlich weniger Wein als 2004, aber etwas mehr als 2003.
Der einzige Wermutstropfen aus der Sicht von heute ist ein gewisser
Fäulnisbefall an den Trauben der Weißweinsorten, hervorgerufen
durch Sonnenbrand aufgrund der großen Hitze in den ersten Septembertagen.
Bei der Lese müssen diese Trauben sorgfältig herausgeschnitten
werden! Wie dies in Betrieben geht, die ihre Trauben maschinell ernten
sei dahingestellt, diese Winzer müssen dann evtl. mit Muff- oder
Grautönen in ihren Weinen rechnen. Wir haben uns nach zwei vorsichtigen
Versuchen mit der Maschinenernte in den Jahren 1999 und 2002, von dieser
Methode verabschiedet. Wir sind zu dem Schluß gekommen, daß
es eine Notmaßnahme ist. wenn keine (bezahlbaren) Kräfte
zur Verfügung stehen. Warum sollte man eine Arbeit mit Maschinen
erledigen, wenn Menschen diese Arbeit viel besser erledigen können?
Natürlich arbeitet der Traubenvollernter, wenn man nur die Lesekosten
betrachtet viel günstiger. Wenn man aber die Mengenverluste von
5 - 10 %, die Schäden an der Anlage (die Trauben werden mit Stöcken
abgeschlagen), und vor allem die Qualitätseinbußen sieht,
dann ist die Handlese der Maschinenernte weit überlegen!
Außerdem hat man immer den Eindruck, dass Vollernterwinzer, die
überhaupt kaum eine Traube selbst in die Hand nehmen, auch ein
Stück ihrer Identität als Winzer verlieren!
Bei uns beginnt die Traubenlese wohl in den letzten
Septembertagen und wird dann wohl bis Anfang November beendet sein.
Ein sehr später Lesezeitpunkt erscheint nämlich aufgrund der
fortgeschrittenen Reife und ziemlich niedriger Säurewerte wegen,
in diesem Jahr nicht ratsam. Dies, ganz im Gegensatz zu 2004, wo die
Säure beim Riesling erst Ende Oktober richtig bekömmliche
Werte erreichte, und die Lese sich dementsprechend auch bis zum. 16.
November hinzog.
In den Tagen vor der Traubenlese werden dann im Keller die ersten Fässer
gewässert und gesäubert; Bütten, Leseeimer, Erntewagen,
Kelter und Hotten müssen gereinigt werden. Vater Gerhard sorgt
dafür, dass Lesescheren geschliffen und geölt werden, dass
Klappstühle für die Mittagspause im Weinberg vorhanden sind
und kümmert sich um hundert andere Kleinigkeiten, ohne die ein
reibungsloser Ablauf nicht gewährleistet ist.
Zuerst werden Müller-Thurgautrauben für die Saftherstellung
gelesen, dann weitere Trauben dieser Sorte, die an eine Genossenschaft
verkauft werden. Etwas später kommt die Reihe an die etwas hochwertigere
Bacchustraube, die zum Teil auch als Trauben verkauft wird, aber aus
besseren Lagen auch bei uns im Keller zu Wein ausgebaut wird. Den weiteren
Ablauf des Herbstes kann man jetzt noch nicht voraussagen, hier sind
die Unwägbarkeiten des Wetters noch zu groß! Fest steht nur,
dass Blauer Spätburgunder und natürlich der Riesling wieder
zuletzt gelesen werden.
Die Arbeit beginnt, nach einem allmorgendlichen Aufwärmschluck,
stets pünktlich um 8 Uhr. Lesehelfer haben wir 4 aus Polen, 4-6
Familienkräfte und 5 Aushilfskräfte aus Klüsserath und
benachbarten Orten. Wenn das Wetter kühl und neblig ist, gibt es
bei einer kleinen Pause um halb zehn einen weiteren Aufwärmschluck,
ist es aber sonnig und warm, ein oder zwei Gläser kühlen Weines.
In den Flachlagen ist dann oft schon um 11 Uhr ein Wagen mit 1500 bis
2000 kg voll Trauben gelesen, der dann sofort bei der für uns günstig
liegenden Annahmestation der Genossenschaft abgepumpt wird. Um 12 Uhr
kommen dann Ingrid's Eltern Gunni und Oswald mit dem von beiden vorbereiteten
deftigen Mittagessen in den Weinberg. Hierzu schmecken die verschiedensten
Weine dann immer vorzüglich! Um 13 Uhr geht es dann mit der Arbeit
weiter, oft dann bei Sonnenschein und warmem Wetter. Die Lese endet
dann um 17 Uhr und die einheimischen Lesehelfer werden nach Hause gefahren.
Bei der -späteren- Lese im steilen Südhang sieht der Ablauf
etwas anders aus. Gelesen werden die Trauben meist vom oberen Ende des
Weinberges nach unten, damit die ca. 30 Liter haltenden Lesebüttchen
immer bequem nachgezogen werden können. Ist so ein Büttchen
voll. wird es auf einen Schlitten gestapelt. der seinerseits, sobald
er mit 1 5 - 20 Büttchen beladen ist. mit der am Traktor befestigten
Seilwinde nach oben zum Weg gezogen wird. Soll ein besonders guter Wein
geherbstet werden, dann werden die Bütten sofort in unseren Bus
geladen und ins Kelterhaus gebracht. Dort werden die Trauben dann entrappt
oder als ganze Trauben in die Kelter geschüttet und ausgepresst.
je nachdem ob der Wein trocken. halbtrocken oder lieblich sein soll,
oder je nach Reifezustand. Dann ist für den Winzer sehr viel Arbeit
im Keller und für Ingrid in Gästezimmern und Ferienwohnungen,
sodaß für die Zeit unserer Abwesenheit Vater Gerhard (78
Jahre, immer noch voll aktiv), die Regie zusammen mit unserem langjährigen
„Vorarbeiter" Christoph übernimmt. Bei der oft nötigen
Sortierung, Vorlese oder Auslese der Trauben haben Mutter Fine und Tante
Maria oft das beste Händchen und erklären dies fachmännisch
den Aushilfskräften.
In Weinbergen die wegemäßig nicht gut erschlossen oder von
Mauern und Felsen unterbrochen sind werden die Trauben in Eimer vom
unteren Weinbergsende nach oben gelesen. Etwa 5 Eimer werden in sogenannte,
ca. 40 kg haltende Hotten umgefüllt, auf dem Rücken nach unten
getragen und in größere Bütten entleert.
Am Abend reinigen unsere polnischen Arbeiter die Bütten, Eimer
und alle sonstigen Geräte. Zu ihren weiteren Arbeiten am Abend
gehört das Einstampfen des Tresters zur Branntweinherstellung.
Außerdem geht Christoph mir im Keller oft zur Hand, hier helfen
aber am Abend auch oft unsere Söhne Markus und Michael. Die Leute
aus Polen arbeiten dann am
Tag bestimmt 12 Stunden, schließlich wollen sie hier Geld verdienen
und nicht wie Christoph einmal sagte „ihre Freizeit verbringen"!
Untergebracht sind sie für diese Zeit in einer unserer Ferienwohnungen.
Natürlich ist das Wetter nicht immer gut, bei Regen gibt es schon
mal stundenweise Pausen, evtl. muß die Lese auch mal für
einen halben oder ganzen Tag eingestellt werden. Ist das Wetter im November
kalt und trocken wird natürlich weiter gearbeitet, auf warme Tage
wartet man dann ja auch oft vergebens. Hier hilft dann nur warme Kleidung
und ab und zu ein Schluck Glühwein. Während des Mittagessens
wird dann ein Holzfeuer entfacht, es kam auch schon vor daß ein
Kohlefeuer im Zinkeimer im Weinberg nachgetragen wurde, um sich ab und
zu die klammen Hände zu wärmen.
Nach Ende der Lese wird ein zünftiger Abschluß gefeiert mit
dem besten was Küche und Keller zu bieten haben. Unter Absingen
deutscher und polnischer Volkslieder wird dieser Abend in weinseliger
Laune dann beendet. Eine alte Überlieferung nennt diese Feier „den
Hahn fangen". Deshalb fragen sich die Winzer gegenseitig im November
nicht: „seid ihr fertig mit der Traubenlese", sondern sie
fragen im moselfränkischen Dialekt: „ho da den Hune schu
gefaangen'*?
Hier nun wieder einige wichtige Daten aus dem
Winzerleben
16.02.: Moselweinbautag im benachbarten „Eurostrand" in Leiwen
26.02. - 13.03.: Sechs Aufführungen des Dreiakters „Moraquark
un Schwoademoren" unseres Theatervereines im Jugendheim Köwerich.
12.04.: 1500 weitere Reben vom Blauen Spätburgunder gepflanzt.
19.04.: Auswahl der Weine für die Klüsserather Siegelflasche.
Laut unabhängiger Prüfer stammen 3 der besten Klüsserather
Weine von unserem Weingut!
26. - 28.04.: Zehntausende sog. Pheromonampullen zur biolog. Bekämpfung
des Traubenwicklers (Wurm) in einer Gemeinschaftsaktion der Winzer in
Klüsserath und Köwerich verteilt. Einige Tage später
auch in Piesport.
03.05.: 2004er Rotweine abgefüllt!
14.05.: Bau einer Halle in Eigenregie zum Unterstellen verschiedener
Geräte abgeschlossen.
17. u. 24. 06.: Weißweine von 2004 abgefüllt.
09.08.: Großes Werbeschild am Haus befestigt. Vielen Dank für
das Sponsoring an Claudia und Stefan!!!
20.08.: In einigen. vor allem jungen Weinbergen Raps als überwinternde
Gründüngung eingesät. g
25.08. - 02.09.: Fahrt zur Hochzeit unseres "Vorarbeiters"
Christoph nach Polen. zusammen mit Sohn Michael.
20.09.: Tagesfahrt mit den .Vereinigten Weingütern" ins Rheingau.
Betriebsbesichtungen und Weinproben machten der. Tag sehr interessant,
EUROPÄISCHE POSSEN
Manchem von Ihnen ist vielleicht schon aufgefallen. daß auf den
Etiketten des 2004er Weines rechts unten steht: .Enthält Sulfite"!
das heißt auf deutsch: „enthält Schwefel'`. Dies ist
eine Binsenweisheit , denn das weiß jeder aufgeklärte Verbraucher,
jedenfalls erzählen wir dies jedem der es wissen will. Aber wie
bei allem, kommt es ja nicht auf den Stoff an, sondern auf die Menge,
und die dürfen wir nicht angeben!
Dazu muß man wissen, daß es 3 Traditionen gibt Wein haltbar
zu machen:
1. Die erste ist die griechische mittels Harz. dies sind die sog. Rhezinaweine.
Leider verändert das Harz den Weingeschmack oft bis ins unkenntliche!
2. Die römische Methode durch Zugabe von Schwefel. Diese Methode
ändert den Geschmack des Weines nicht und wurde von den alten Römern
schon vor 2300 Jahren angewandt.
3. Die iberische Methode mittels Zugabe von hochprozentigem Branntwein.
Bekannt sind hier vor allem Portveine und Sherry!
Bei allen 3 Methoden geht es darum, nach dem
notwendigen Abtrennen von der Gärhefe eine Oxidation zu verhindern,
durch die der Wein sehr rasch und unweigerlich verderben würde.
International durchgesetzt hat sich schon seit langem die römische
Methode mittels Schwefelzugabe. Selbst die allermeisten griechischen,
spanischen und portugiesischen Weine werden so haltbar gemacht! In kleinen
Dosen ist Schwefel ein wichtiger Spurennährstoff, der sogar in
der modernen Nahrung eher unterrepräsentiert ist, in zu großen
Mengen ist er sehr schädlich für die Gesundheit! Der deutsche
Weinbauverband fordert bereits seit Jahrzehnten die Angabe des Schwefelgehaltes
auf dem Weinetikett! Die europäische Union, die hier das Sage hat,
erlaubt pro Liter Wein eine Schwefelmenge von 400 ml, das entspricht
400 Gramm auf 1000 Liter. Dies ist bei etwas größerem Konsum
höchst kopfschmerzverdächtig! Da deutscher Wein aufgrund der
kühleeren Traubenverarbeitungstemoeraturen einen wesentlch geringeren
Schwefelbedarf hat, wurde der Höchstwert an Schwefel in Deutschland
auf 225 ml begrenzt. Aber auch das istnoch viel zu viel, leigen wir
doch bei unseren trockenen Weinen oft nur bei 50 ml und bei den lieblichen
bei 70 ml. Diese Mengen sind hochbekömmlich!
Die französische Weinlobby hat es im Verbund mit den Südeuropäern
geschafft, daß lediglich die vorhin schon genannte Bezeichung
„enthält Sulfite“ angegeben werden muß, ja nicht
einmal genannt werden darf! Dies ist unseres Erachtens ein Skandal,
da der Gesetzgeber zwar einen Hinweis vorschreibt. Uns aber nicht erlaubt,
unsere niedrigen Schwefelgehalte über das Etikett publik zu machen!
Hier kann man sich entweder nur noch aufregen oder wundern!
Wie in den vergangenen Jahren, möchten wir
Sie auch in diesem Jahre bitten. uns Ihren Weinbedarf möglichst
frühzeitig mitzuteilen! Die Weinlese mit den daran anschließenden
Arbeiten wird sich auf jeden Fall wieder bis in den November hinziehen,
sodaß die Zeit für die Planung, als auch für die Lieferungen
selbst, vor Weihnachten stark eingeschränkt ist. Ein frühzeitiger
Überblick über die zu liefernden Mengen erleichtert uns die
Planung und Durchführung der Liefertouren. Außerdem erspart
es uns so manchen Fahrtkilometer, was sehr wichtig ist bei den ständig
steigenden Spritpreisen. Zudem macht ein schönes Polster an Bestellungen
Ihrer Winzerfamilie den Kopf freier für die schöne, aber auch
anstrengende Zeit der Lese! Deshalb bitten wir in dieser wichtigen Angelegenheit
um Ihr besonderes Wohlwollen!
Unsere neue Weinpreisliste 2005/2006 legen wir diesem Schreiben bei!
Ihre leeren Weinflaschen nehmen wir weiterhin natürlich gerne zur
Wiederverwendung zurück. Für evtl. bei Ihnen zu Hause geplante
Weinproben bitten wir möglichst bald um Terminabsprache!
Begnadetes Land - weinfrohes Land, in dem
man es verlernt, von Ort zu Ort zu hasten, und
wo Kilometersteine überflüssige Attribute der
Zivilisation zu sein scheinen - Land der Fülle,
Land des lichten Weines!
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