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KLÜSSERATHER WINZERBRIEF 2005-III

 

 

Liebe Kunden und Weinfreunde!

Der diesjährige Traubenherbst endete am Samstag. dem 29.10. bei Sommerwetter! Nichts erinnerte daran, dass das hohe katholische Fest Allerheiligen, an dem sonst zum traditionellen Friedhofsgang erstmals der Wintermantel aus dein Schrank genommen wird, kurz bevorstand.
Eingebracht wurden kleine. hochreife Trauben. die häufig von dem begehrten Edelpilz “Botrvtis cinera" verfeinert waren. Ein Jahr. das auf die Traubenreife bezogen keine Erwartungen offenließ. Dies ist für uns ein Anlass. Ihnen etwas über dieses klasse Weinjahr zu erzählen.
Nach einem milden. trockenen Winter sanken gegen Ende Februar, wenn sonst schon der Frühling beginnt, die Temperaturen so richtig in den Keller. Nachts wurde es durchaus bis fast minus 10 Grad kalt. Schnee fiel öfters, er konnte sich wegen des schon kräftigen Sonnenscheins aber nur an Nordhängen und im Schatten länger halten. Mitte März wurde es aber dann ziemlich warm und die Weinstöcke fingen an zu „bluten". Bei diesem sog. Bluten tropft von den frischen Schnittstellen des Rebstockes der aus den Wurzeln aufsteigende Saft. Je nach Feuchtigkeit des Winters sind dies manchmal mehrere Liter pro Rebe in wenigen Tagen. Dieser Saft wurde früher gelegentlich aufgefangen, denn es wurde ihm eine gewisse Wirkung gegen Augenleiden zugeschrieben. Nach einigen Tagen trocknen diese Schnittstellen dann ein, und der Austrieb der Reben kann beginnen. Bei den Ende März meist noch kühlen Nächten zieht sich dieses ergrünen der Weinstöcke oft über Wochen hin, und sog. Austriebsschädlinge haben viel Zeit, an den schwellenden jungen Knospen zu fressen. In diesem Jahr richtete der „Rhombenspanner“, gerade in den früher austreibenden besten Lagen riesige Fraßschäden an. Die Fruchtaugen an vielen Reben waren zu einem großen Teil ausgehöhlt, was dort einen großen Mengenverlust erwarten ließ. Verwandt ist dieser Rhombenspanner wohl mit dem sog. Schwammspinner, der ja in diesem Frühjahr viele Eichenwälder total kahl fraß.
Im Mai war es dann überwiegend warm, manchmal schon heiß und das Wachstum der Reben ging flott voran.. Ende des Monats fanden sich die ersten „Gescheine", ( so nennt man bis zur Blüte die späteren Trauben). Die ersten Junitage waren dann. wie in fast allen Jahren üblich, ziemlich kühl, es war dies die sog. Schafskälte. In unserer, bis in die 60er Jahre reichenden Erinnerung können wir uns eigentlich nur an zwei Jahre erinnern, in denen dieser Temperatureinbruch überhaupt nicht stattfand, nämlich die Jahre 1992 und 2003!
In diesem Jahr war die Schafskälte bereits nach wenigen Tagen vorbei, es wurde schön warm und der Wein setzte überall zur Blüte an. Das Wetter war weiterhin sonnig und es wurde heiß, erst am entscheidenden .,Siebenschläfertag", dem 27. Juni erwischte uns abends ein Gewitterrand mit ein wenig Regen.
..Wie das Wetter am Siebenschläfertag, es sieben Wochen bleiben mag", so der schöne Reim. Dieser Spruch ist, zumindest in unserer Gegend durchaus wörtlich zu nehmen, er trifft so gut wie immer zu. Darauf deutet auch der alte Begriff der „Lostage" hin, zu denen der 27.6. gehört. An diesem wetterentscheidenden Tag entschied sich nämlich im wahrsten Sinne des Wortes oft das Los (die Ernteaussichten) der meist bäuerlichen Bevölkerung.
Das Gewitter an jenem Abend war im übrigen in den Nachbardörfern nicht so harmlos als in Klüsserath und Köwerich, denn Detzem, Leiwen, Thörnich und Trittenheim hatten über Hagelschlag zu klagen, der ernste Einbußen brachte. Anschließend hatten wir warmes, schönes Sommerwetter, mit seltenen Gewitterschauern. Ende der ersten Juliwoche gab es dann in Trier und Umgebung ein schweres Unwetter, an der Ruwer gab es durch Hagel in vielen Weinbergen überhaupt keinen Ertrag. Wir haben bei warmen bis heißen Temperaturen nur gelegentlich einen harmlosen Gewitterrand abbekommen, es war also genau wie vom Siebenschläfertag vorbestimmt. Um den 8. August herum wurde es dann etwas kühler und es gab einige Schauer, die aber die anhaltende Trockenheit kaum mindern konnten. Am 15. und 16. August gab es dann viel Regen, nämlich 24 Liter auf den Quadratmeter. Danach wurde es wieder trockener mit nur gelegentlichen Schauern und Tageshöchstwerten von nur 22 - 23 Grad. Ab dem 26. August wurde es sonnig und ziemlich heiß, die Temperaturen erreichten 33 Grad im Schatten. Um den 10. September konnte man einiges an Verbrennungen an den schon reifenden Rieslingtrauben feststellen, es sah aber schlimmer aus, als es dann später war. Am 12. 9. gab es einen ergiebigen Regen, danach war es dann wieder schön und um die 25 Grad warm. Am 18. September wurde es nachts sehr kühl und an dem klaren Morgen waren es nur noch 5 Grad über null! Normalerweise gibt es bei Schönwetterlagen Mitte September morgens schon dichten Nebel, der zwar den Vormittag etwas vermiesen kann, aber das Moseltal auch zuverlässig im September und meistens auch im Oktober vor Frösten schützt. Aufgrund dieses Morgennebels sind die Südwesthänge den Südosthängen qualitativ in punkto Weinbau auch leicht überlegen. Tagsüber war es schön, bis 22 Grad, einige Tage später dann wieder bis 23 Grad warm. Um den 3. Oktober herum gab es dann einige Tage mit Regenschauern und kühlen Temperaturen, und die Traubenlese, die am 28. September begonnen wurde,. kann mancherorts etwas ins Stocken. Ab dem 5.10. war es dann wieder richtig schön und die Trauben des spät reifenden Rieslings schwollen zu immer weiterer Süße an. Bereits seit Mitte September zeigte sich beim Riesling der bereits zuvor erwähnte Botrytispilz. der die Trauben zum Teil einschrumpfen lässt, ihnen Wasser entzieht. dadurch alle wertvollen Inhaltsstoffe konzentriert und der außerdem einen edlen Geschmack an die Trauben abgibt. Um den 10. 10. war. auch bedingt durch diesen Edelpilz. die Reife lagenweise so weit fortgeschritten, dass mit der Rieslinglese ziemlich Hals über Kopf begonnen werden musste, wollte man nicht riesige Mengenverluste in Kauf nehmen!
In einigen jungen Anlagen mit relativ hohen Erträgen lagen die Öchslegrade aufgrund der sommerlichen Trockenheit nur um die 70 bis 75 Grad. In den meisten Flachlagen erreichten die Werte beim Riesling 80 bis 90 Grad Öchsle und in steilen Seitentälern bis 100 Grad. In alten Rebanlagen der klassischen Südhänge im direkten Moseltal wurden ohne weiteres 110 Grad erreicht. Wo dann auch noch der Rhombenspannerbefall die Traubenzahl sehr dezimiert hatte, lagen die Öchslewerte ohne besondere Sortierung der Trauben bei bis zu 125 Grad ! Wenn es nicht Frevel wäre, könnte man sagen, die extremen Öchslezahlen seien eine Plage; sonst sind 90 -95 Grad Spitzenwerte; denn es wird wieder sehr alkoholreiche Weine geben. Es gab dann noch drei regnerische Tage um den 20. Oktober herum, an dem dann Riesling aus geringeren Lagen für die Genossenschaft gelesen wurde, weil diese die Traubenannahme bereits am 21. 10. einstellte. An die Genossenschaft verkaufen wir etwa ein Drittel unserer Trauben. meist die nicht ganz so hochwertigen, die dann auch meist an den Tagen geerntet werden, an denen das Wetter vielleicht nicht ganz so schön ist. Wer glaubt, im Supermarkt eine Flasche Wein für teilweise unter 2,- Euro kaufen zu müssen, muss damit rechnen, dass evtl. auch einige Spritzer Regenwasser darin enthalten sind.
Im Keller ist nun im Gegensatz zu früheren Jahren darauf zu achten, dass die Alkoholausbeute des Weines möglichst niedrig wird, denn Alkohol ist zwar ein wichtigen Geschmackträger im Wein, aber alles hat ja seine Grenzen! Beeinflussen kann man dies etwas durch die Wahl der Gärhefe, sowie durch die Gärtemperatur und dadurch die Gärdauer. Vielleicht müssen wir aufgrund der veränderten klimatischen Verhältnisse doch noch zu südeuropäischen Winzern in die Lehre gehen!
Als Zusammenfassung kann man sagen, ergeben sich 2005 Rieslinge mit Rekordwerten an Öchsle und, - schwieriger zu messen - auch Aroma. Auch der Dornfelder, bereits am 30.9. gelesen, wies Rekorde auf, genauso wie die Sorten Bacchus und auch Kerner, wo wir auch bis zu 111 Grad Öchsle erreichten! Die Burgundersorten liegen in den Werten etwas verha1tener, verglichen mit dem Vorjahr jedoch auch etwas höher. Während wir mit den zu erwartenden Weinqualitäten mehr als zufrieden sind, fällt die Weinmenge doch ziemlich klein aus. Dies ist zum einen der Fall durch den vorhin schon erwähnten Rhombenspannbefall, durch das starke Auftreten des Edelpilzes Botrytis cinera, sowie durch die nunmehr schon einige Jahre anhaltende relative Trockenheit. Konnten im Vorjahr gut über 100.000 1 geerntet werden, so sind es in diesem Jahr nur knapp 75.000 Liter. Dies wird unseren Betriebserfolg, der 2005 doch ganz gut war, 2006 um einiges schmälern, kann dann doch nur wenig „Restwein"; den wir zur eigenen Abfüllung nicht brauchen. an den Großhandel verkauft werden!
Auch nach Ende der Traubenlese prangt das Laub der Weinberge noch in goldgelben bis feuerroten Farben. Hielte das frostfreie Wetter noch länger an, könnte es bis fast Mitte Dezember dauern, bis das Weinlaub restlos abgeworfen ist. Neue Austriebsbereitschaft für das nächste Jahr ist erst gegeben, wenn die Temperaturen mindestens einmal unter plus 5 Grad gefallen sind. Dies ist auch der Grund dafür, dass es in den heißen Klimazonen der Erde keinen Weinbau gibt.
Im Vergleich zu dem ebenfalls herausragenden Jahrgang 2003 kann man sagen, dass im Schnitt und in der Spitze die Öchslewerte 2005 höher lagen, aber auch die Säurewerte etwas besser sind als 2003, als ja manche sich genötigt sahen, Säure zuzusetzen. War das Klima in seinen Auswirkungen auf die Weinqualität 2003 durch Extreme geprägt ( übergroße Hitze, extreme Trockenheit, früher Frost im Oktober ), so war es in diesem Jahr einfach nur ideal! Sollte in den nächsten Jahren nochmals ein solcher Wein wachsen. kann man analog zu einem alten moselfränkischen Sprichwort in Bezug auf die Klimaveränderung nur sagen: ,.Et ass kä Schooden eso groß, dat net nach e kleene Voadel dabej wea!" Hochdeutsch: Es ist kein Schaden so groß, als dass nicht noch ein kleiner Vorteil dabei wäre!"
An dieser Stelle möchten wir Ihnen, wie auch schon in vergangenen Winzerbriefen eine weitere Traubensorte, diesmal im Rotweinbereich, nämlich den Dornfelder vorstellen.
Im Gegensatz zu vielen alten Sorten wie z. B. Riesling oder Blauer Spätburgunder die sich durch jahrtausendelange Auslese durch den Menschen entwickelt haben, ist der Dornfelder eine sog. Neuzüchtung. Seit den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts begann man, neue weiße und rote Traubensorten auf bestimmte Ziele hin zu züchten. Zuchtziel beim Dornfelder war eigentlich einzig und allein ein neutraler, wohlschmeckender „Deckrotwein", d. h. also mit tiefroter Farbe. Alle anderen Vorteile die ihn so erfolgreich machen wie
a) geringe Geiztriebbildung, dadurch reduzierte Laubarbeiten
b) sicherer Ertrag
c) lockerbeerige, hartschalige Trauben, dadurch geringere Krankheitsanfälligkeit
d) große, leckere Trauben, fast tafeltraubentauglich
e) niedrige, sehr bekömmliche Säurewerte
f) beeindruckende Aromenvielfalt
g) gute Stielfestigkeit, es gibt keine sog. Bodentrauben
h) schnelle Trinkreife, relativ gute Lagerfähigkeit
waren angenehme Zufälle. Die Möglichkeit der Zugabe von Deckrotwein - zum Aufpeppen der Farbe bei farbschwachen Rotweinen - wurde gottlob schon 1984 verboten. Eigentlich wäre diese Sorte dann, wie viele andere auch umsonst über Jahrzehnte hin gezüchtet und getestet worden, wären nicht die oben erwähnten vielen anderen Vorteile.
Herkunft: Staatl. Lehr- und Versuchsanstalt für Weinbau und Obstbau in Weinsberg. Sortenschutz 1979, Eintragung in die Sortenliste 1980; klassifiziert 1981. Seine Anbaufläche betrug im Jahr 1994 1.776 ha und stieg bis zum Jahr 2005 auf fast 10.000 ha. Das entspricht fast 50 Millionen Rebstöcken, etwa 10 %der deutschen Anbaufläche. Inzwischen dürfte der Höhepunkt seiner Ausbreitung jedoch erreicht sein.
Züchter: Oberlandwirtschaftsrat A. Herold. Züchtungsjahr 1955 Kreuzung: Helfensteiner x Heroldrebe (= Eltern)
Sortenname: Die Bezeichnung geht auf den Kameralverwalter I. Dornfeld zurück, der um die Mitte
des 19. Jhd. die erste Anregung zur Gründung einer Weinbauschule in Württemberg gab.
Lagenansprüche: Mittel, bessere Lagen sind im Interesse von Mostgewicht und Aromaausbildung vorzuziehen.
Bodenansprüche: Gering, sehr trockene Standorte sind nicht geeignet. Frostfestigkeit: Mittel.
Erziehung: Der kräftige, aufrechte Wuchs und die geringe Geiztriebbildung machen den Dornfelder zu einer weinbautechnisch einfachen Sorte. Eine weiträumige Pflanzung ist angebracht.
Ertrag: Hoch bis sehr hoch. Eine Ertragsreduzierung über den Rebschnitt und auch eine termingerechte Reduzierung der Traubenzahl einige Wochen vor der Ernte ist bei Dornfelder eine unerlässliche Maßnahme zur Erzeugung bester Rotweinqualität!
Anbauwert: Die Rebsorte Dornfelder gehört zu den wertvollsten Rotwein-Neuzüchtungen. Er hat bereits seine guten Marktchancen bei den Rotweintrinkern seit vielen Jahren mehr bestätigt. Besonders gefragt sind trockene, voluminöse Dornfelderweine.
Für die Freunde des Köwericher Laientheaters, mit ihrem Winzer in einer Hauptrolle, hier die Termine für 2006: 18. und 19.,25. und 26. März, sowie l. und 2. April, sowie evtl. noch der 8. April!
Das Weihnachtsgeschäft läuft nun bereits für uns seit über 2 Wochen und einige Auslieferungen wurden schon getätigt. Für alle Bestellungen. die bis Mitte Dezember noch eingehen, garantieren wir auch noch die Lieferung vor den Festtagen. Viele von Ihnen werden wir in den nächsten Wochen noch sehen, einige davon auch zu einer fröhlichen Weinprobe bei Ihnen zu Hause. Dies macht uns immer besonders viel Freude, haben wir doch hier die Möglichkeit Ihnen und Ihren Freunden unsere Qualitäten zu präsentieren.
Bei den anstehenden Lieferungen nehmen wir natürlich Ihre leeren Weinflaschen weiterhin gerne mit zurück.

 

 

Allen, die wir in den nächsten Wochen nicht mehr sehen werden wünschen wir einen besinnlichen Advent, ein frohes Weihnachtsfest und alles gute im Neuen Jahr
mit freundlichen Grüßen

Scholtes-Welter

 
 


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