vorherige Winzerbrief

 

 

KLÜSSERATHER WINZERBRIEF 2006-II

 

 

Hallo. liebe Kunden und Weinfreunde!

Endlich wieder Nachrichten vom Winzer! Das wird sich vielleicht mancher von Ihnen sagen, war doch der Winzerbrief 12006 aus verschiedenen Gründen ausgefallen. Einer der Gründe dafür war Arbeitsüberlastung aufgrund einer großen Neupflanzaktion, bei der unvermutete Mehrarbeiten auftraten, aber auch ungewöhnliche Witterungsverhältnisse. Mehr Informationen darüber gibt es aber, wie gewohnt, in unserem nächsten Winzerbrief im November! Und einen Brief an unsere Kunden eben mal so schnell „hinrudeln", wie man bei uns sagen würde, ist auch nicht unsere Sache.
Mit diesem Schreiben erhalten Sie unsere Weinpreisliste 2006/2007. Leider sind kleine Preiserhöhungen wegen der allgemeinen Teuerung (u. a. für Korken und Glas), vor allem aber wegen der anstehenden Mehrwertsteuererhebung nicht zu umgehen! Bis zum 31. 12. gewähren wir für auf der Preisliste mit „X" gekennzeichneten Weine noch einen kleinen Nachlaß von 0,10 Euro pro Flasche!
Wenn Sie diesen Brief erhalten, werden wir wohl unsere ersten Trauben des Jahrganges 2006 von den Sorten Müller-Thurgau und Bacchus bereits gelesen haben. Zur Lese kommen zuerst Trauben dieser beiden frühreifen Sorten, aus solchen Lagen, die aufgrund ihres tiefgründigen Bodens im Juni und Juli nicht unter der Trockenheit gelitten hatten, denen aber der Regen
Ende August zu viel war und die bereits teilweise in Fäulnis übergehen. In Weinbergen mit leichten bis mittelschweren Böden stehen Müller-Thurgau und Bacchusreben sehr gut, sodaß wieder erfrischender Traubensaft und Cuvees daraus gewonnen werden dürften. Sehr süß und fruchtig präsentiert sich auch der Dornfelder, der als frühreife Traube wahrscheinlich schon Ende September zur Lese kommt. In den meisten Lagen, vor allem im Schieferboden unserer Steilhänge war der Augustregen jedoch bitternötig, wenn man auch zugeben muß, daß man das Regenwetter immer sehr schnell leid ist. Im Nachhinein betrachtet war dieser feuchte August für uns umso wichtiger, da bis jetzt der September wieder sehr warm und trocken daherkommt. Die Trauben der Hochwertigen Sorten nehmen bei diesem schönen Spätsommerwetter jetzt täglich um ein bis zwei Grad Öchsle zu, sodaß man sich auf die Qualität des 2006er nur freuen kann.
Einige Probleme mit Fäulnis durch Traubenwicklerbefall traten jedoch vor allem in den besten Lagen der Klüsserather Bruderschaft auf. Hier müssen spätestens Anfang Oktober die befallenen Trauben ausgelesen werden. Dies verursacht zwar einiges an zusätzlicher Arbeit, ermöglicht aber den am Stock verbleibenden hochwertigen Trauben eine umso bessere Ausreife. Da Weißwein mittlerweile deutschlandweit knapp ist, findet diese „Ausschußware" beim Großhandel dankbare Abnehmer. Die zu erzielenden Preise bewegen sich hier z. Z. bei etwa 0.90 bis 1,00 Euro pro Liter, das ist besser als nichts, denkt sich der Winzer, zumal hier ja keine teuren Abfüllkosten auf uns zukommen.
Aufgrund des überdurchschnittlich warmen Jahres, und der dadurch weit fortgeschrittenen Reife, ist eine Lese, die sich bis weit in den November hineinzieht in diesem Jahr wohl nicht zu erwarten. Die Säurewerte beim Blauen Spätburgunder und beim Riesling werden sich wohl je nach Lage zwischen dem 10. und 25. Oktober bei ihrem Optimum in punkto Bekömmlichkeit und Geschmack einpendeln. Eine zu weit absinkende Säure, ein Problem das wir vor der Klimaerwärmung kaum kannten, bringt bei Weißweinen einerseits geschmackliche Nachteile, andererseits sind diese Weine aber auch weniger lagerfähig. Hier gilt es zwischen den beiden Polen Bekömmlichkeit' und Lagerfähigkeit' den richtigen Spagat zu finden.
Wenn hier des öfteren von der „Lage" die Rede ist, so muß man wissen, daß kein Winzer seinen ganzen Besitz an einer Stelle, also arrondiert liegen hat, sondern daß dieser sehr verstreut, teils kilometerweit entfernt, in getrennten Parzellen liegt, die sich über mehrere Gemeinden erstrecken können. So setzt sich unser Weingut aus über 40 verschieden großen oder kleinen Parzellen zusammen, die hauptsächlich in den Gemeinden Klüsserath und Köwerich liegen, aber auch in den Nachbargemeinden Leiwen und Rivenich und im etwas weiter entfernten Piesport. Dies ergab sich einerseits zwangsläufig durch die an der Mosel praktizierte ,.Realteilung", die auf Betreiben des im 17. Jahrhunderts sehr aktiven französischen Politikers und Kardinals Richelieu eingeführt wurde, und die in der Folge der Mosel sehr viel Elend und Armut brachte. Andererseits ist dies aber auch durch das uralte Wissen der Winzer zu erklären, daß in verschiedenen Böden, Höhenlagen, Hangrichtungen und Hangneigungen bei den jährlich wechselnden
Witterungsbedingungen immer mal eine andere Ecke besonders bevorzugt oder eben benachteiligt ist. Ganz zu schweigen von der Katastrophe eines ja meist regional eng begrenzten Hagelschlags, der bei arrondierter Fläche evtl. die ganze Ernte vernichten könnte, bei verstreut liegenden Weinbergen aber immer nur einen Teil der Ernte schädigt.

Die diesjährige Obsternte war sehr unterschiedlich. Bei den Mirabellen trugen einzelne Bäume sehr viel, andere wiederum nichts! War die Birnenernte noch einigermaßen zufriedenstellend, so fiel die Zwetschgenernte zum ersten Mal seit Jahrzehnten ganz aus. Pfirsiche gab es ziemlich viel, leider ist uns ein guter Teil davon gestohlen worden! Die Feigenernte fällt sehr groß aus, auch wenn sich gefiederte Räuber fleißig daran bedienen. Kirschen gab es dagegen nur in kleinen Mengen, sodaß es gerade zum Naschen reichte.

Der Weinertrag 2006 wird mengenmäßig über der doch sehr kleinen 2005er Ernte liegen, aber den recht großen Jahrgang 2004 nicht erreichen.

Kurz vor Weihnachten letzten Jahres ließen einige Presseverlautbarungen im Fernsehen und in Zeitungen in punkto „Amerikanischer Kunstwein" aufhorchen! Seitdem ist fast ein dreiviertel Jahr vergangen - und – die „Drinks" aus der Neuen Welt werden von vielen unkritischen Verbrauchern hierzulande mittlerweile munter getrunken. So kurz kann das Gedächtnis manchmal sein. Wie die auflagenstärkste Tageszeitung unserer luxemburgischen Nachbarn, das „Luxemburger Wort" am 21. 12. 2005 schreibt, stimmten von allen EU-Ländern nur Deutschland, Österreich und Portugal gegen das Weinhandelsabkommen mit den USA, das die Einfuhr stark manipulierter Weine zulässt!
Warum, so fragt sich die interessierte Leserschaft, stimmen so bedeutende Weinbaunationen wie Frankreich, Italien und Spanien, aber auch ein zwar sehr kleines, aber stolzes Weinbauland wie Luxemburg solch einem Abkommen zu? Die Antwort liegt in der Mentalität und dem Selbstbewusstsein der Bevölkerung dieser Länder. Die drei oben genannten, bei weitem größten Weinerzeuger der Welt. sind darauf angewiesen , ihre Weinüberschüsse weltweit zu exportieren. u. a. natürlich auch in die USA. Deshalb haben sie dieseln Abkommen zugestimmt. weil sonst die Amerikaner drohen, die Einfuhr von EU-Weinen ins ei gene Land zu erschweren. Dabei wissen die Verantwortlichen dieser Länder. daß getrost die Grenzen für den "Coca-Cola-Wein" öffnen können. kommt doch kaum ein normaler Italiener. Franzose oder auch Luxemburger auf den Gedanken, ameikaniche, oder überhaupt irgendeinen fremden Wein zu kaufen. Sei er nun Manipuliert oder auch nicht! Der in dem Artikel des notorisch kirchen- und landwitschaftlichkritisch eingestellter "Trierischen Volksfreunds" vom 19.12.05 als Beispiel für europäische Manipulationen angegebene Schwefelzusatz findet sich weltweit, seit Jahrtausenden in jedem Wein, weil Wein ohne eine kleine Schwefelmenge überhaupt nicht haltbar ist. Die Zugabe von Zucker ist bei deutschen Tafel- und QbAweinen zwar (noch) erlaubt, aber wie die Dinge liegen (Klimaerwärmung) in einigermaßen guten Lagen und bei moderaten Erträgen immer seltener nötig. Frankreich, und das ist paradox. verbietet die Zucherzugabe bei Tafelweinen. lässt sieaber bei hochwertigen Weinen zu. Aber das ist auch in weiten Teilen Theorie. sind doch die französischen Weinlagen gut genug, daß die dort gewonnenen Weine durchaus nicht in einer nennenswerten Größenordnung zur Süßung oder Alkoholanreicherung gezuckert werden müssten. Ein Weinsäurezusatz ist in Deutschland im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern verboten; eine Ausnahme wurde bis jetzt lediglich 2003 von diesem Verbot gemacht. Ein künstlicher Entzug von Wasser ist seit zwei oder drei Jahren leider tatsächlich erlaubt, macht bei den ohnehin recht strammen Alkoholwerten der letzten Jahre aber wohl wenig Sinn, würde der Wein dadurch ja noch stärker! Außerdem ist dieses Verfahren sehr teuer und aufwendig.

Die Weinlese und die damit verbundenen Nacharbeiten verlangen die ganze Kraft und Aufmerksamkeit der Winzerfamilie, dies gilt umso mehr je weiter der Oktober fortschreitet. Umso dankbarer sind wir für Ihre frühzeitigen Bestellungen, damit wir, sobald wir ab ca. 10. November wieder ,,mehr Luft haben", auch gleich mit den Auslieferungen beginnen können, ist doch die Zeit bis Weihnachten eigentlich immer zu kurz. In diesem wichtigen Punkt bitten wir wieder um Ihr Verständnis und Wohlwollen!

Am 2. und 3. Oktober startet noch eine Weinlieferung Richtung NRW, den Raum Hannover und Magdeburg. Eine günstige Gelegenheit für eiligen Bedarf!
Über die Rückgabe Ihrer leeren Flaschen freuen wir uns nach wie vor.

 

 

Nun wünschen wir Ihnen und uns noch eien schönen Herbst und verbleiben
mit freundlichen Grüßen

Ihr Weingut

Scholtes-Welter

 
 


nächster Winzerbrief